Heavy lifting1

Zuverlässige Schwerstarbeit

Ohne die 15 Laufkräne würde die Produktion im Feinblechwerk von SSAB in Schweden stillstehen. Sie transportieren täglich 100 Tonnen schwere Gießtiegel mit flüssigem Stahl von einer Stufe der Stahlproduktion zur nächsten

Wirtschaft

Die Stahlproduktion umfasst mehr als Verhüttungs- und egierungsverfahren. Ebenso wichtig sind Wartung und Instandhaltung der technischen Ausrüstung eines Stahlwerks wie etwa der gewaltigen Laufkräne.

„Wartung ist billig, Produktionsausfälle sind dagegen teuer“, sagt Jan-Ola Wanhainen, der für die Kräne im Stahlwerk von SSAB in Luleå verantwortlich ist. Sein Ziel ist eine hundertprozentige Betriebssicherheit seiner Kräne.

Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Kräne. Wie der Hochofen und die Stranggussanlage sind auch die riesigen wandmontierten mobilen Laufkräne unverzichtbarer Teil der Infrastruktur für den Prozessablauf im Stahlwerk.

„In einem Stahlwerk ist jedes Teil der technischen Ausrüstung wichtig“, meint Wanhainen. „Wir sind nur so stark wie unser schwächstes Glied.“

Bei SSAB Tunnplåt (Feinblech) in Luleå wird zunächst importierte Kohle in der Kokereianlage zu Koks verarbeitet. Bei diesem Prozess entsteht sehr viel Gas, das zur Beheizung des Stahlwerks und der Hälfte der Haushalte in Luleå, einer Stadt mit 45.000 Einwohnern, rückgewonnen wird.

Im Schmelzofen dient der Koks zusammen mit Sauerstoff als Brennstoff beim Schmelzen von Erz, das täglich aus dem 200 Kilometer entfernten Malmberget von LKAB per Bahn als Pellets angeliefert wird.

Der geschmolzene Stahl gelangt schließlich in 300-Tonnen-Chargen zum Stahlwerk und wird in sogenannten Torpedos, einem zigarrenförmigen Behälter, über eine kurze Strecke per Schiene transportiert.

Nach der Veredelung und einer Feinabstimmung von Temperatur und Zusammensetzung wird der flüssige Stahl zur Stranggussanlage befördert und hier zu 25 Tonnen schweren und elf Meter langen Platten verarbeitet. In Luleå verlassen täglich 300 solcher Platten das Werk. Das entspricht einer Jahresproduktion von 2,7 Millionen Tonnen.

Von Luleå aus gehen die Platten auf dem Schienenweg zum SSAB-Walzwerk nach Borlänge, wo sie je nach Wunsch des Kunden auf unterschiedliche Dicken gewalzt, vergütet und nachbehandelt werden.

Die gigantischen, hangarähnlichen Hallen mit ihren ausladenden Öfen, gewaltigen Kränen und Gießtiegeln verleihen dem Stahlwerk in Luleå eine Atmosphäre wie in einem Science-Fiction-Film.

Aber der Schein trügt. Hinter all dem Staub, Lärm und Rauch verbirgt sich eine rechnergesteuerte Hightech-Infrastruktur, die alle Parameter der Stahlproduktion überwacht.

So hantiert etwa der Kranführer Stefan Näslund die 100 Tonnen schweren Gießtiegel mit Stahlschmelze von einem Rechner in der Steuerzentrale aus. Mit Hilfe von 300 strategisch im gesamten Stahlwerk verteilten schwenkbaren Videokameras verschafft er sich einen optimalen Überblick über die Abläufe in der Produktion.

„Vor noch gar nicht so langer Zeit [Dezember 2008] saß ich hoch oben im Kran und steuerte die Tröge per Funkgerät. Ein Kollege am Boden half mir dabei“, erzählt er.

Einige Laufkräne im Stahlwerk von Luleå lassen sich auch per Fernsteuerung bedienen. Sie sieht aus wie das Steuergerät eines Modellflugzeugs.

Selbst die Lokomotive der Torpedos auf der Strecke vom Hochofen zum Stahlwerk ist ferngesteuert.

Erst 2009 rüstete SSAB Tunnplåt als erstes Stahlwerk der Welt seine neuesten Kranmotoren und Getriebe mit einem Online-Überwachungssystem von SKF aus (siehe Kasten).

Wanhainen zeigt Besuchern gerne einen stillgelegten Kran aus den 1940er Jahren, der in einem Winkel der Fabrik aufgestellt ist. Zur Bedienung des Krans mussten zwei Mann Ketten von Hand über eine Seilscheibe ziehen. Die dabei beförderten Mengen betrugen nicht einmal einen Bruchteil der Kapazität von modernen Kränen, wie sie in Luleå im Einsatz sind.

„Wir sind ziemlich weit gekommen“, summiert Wanhainen.


Erstmals bei Kränen im Einsatz

SSAB Tunnplåt im schwedischen Luleå hat die Motoren und Getriebe von fünf seiner neuesten Laufkräne mit Online-Überwachungssystemen von SKF ausgestattet.

Installiert wurde das SKF Multilog Online-System IMx-S, das mittels Sensoren über den Zustand der Lager auf beiden Seiten der Motoren und Getriebe in Echtzeit informiert und so während des Kranbetriebs die Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit der Ausrüstung kontinuierlich überwacht. Die Daten werden von SKF überprüft.

„Ungeplante Stillstände sind in einem Stahlwerk angesichts der in der Produktion befindlichen Mengen teils noch flüssigen Stahls katastrophal“, sagt Jan-Ola Wanhainen, der für sämtliche Kräne im Stahlwerk von Luleå verantwortlich ist. „Deshalb brauchen wir möglichst viele Informationen, bevor wir zur Durchführung einer geplanten Wartungsmaßnahme einen Kran außer Betrieb setzen. Das Online-Überwachungssystem zeigt uns genau, wann und wo etwas defekt ist.

 

 

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