Björn Söderberg

Hohe Ziele

Seit Björn Söderberg im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal nach Nepal kam, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den Lebensstandard der Menschen zu verbessern. Seine Strategie: Er betreibt Unternehmen, die Gewinne mit Nachhaltigkeit kombinieren.  

Text Susanna Lindgren  Foto Ivica Prgomet

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Fakten

Der Preis
Der Göteborgpreis für Nachhaltige Entwicklung ist eine internationale Auszeichnung und wird an Kandidaten vergeben, die von einer unabhängigen Jury ausgewählt werden. Der mit einer Million Schwedenkronen (115.000 Euro) dotierte Preis wird von der schwedischen Stadt Göteborg und zwölf Unternehmen, darunter SKF, verwaltet und finanziert. Björn Söderberg teilte sich 2012 den Preis mit Michael Biddle, Gründer des Recyclingunternehmens MBA Polymer. Mehr über Michael Biddle und MBA Polymers erfahren Sie in Evolution Nr.3, 2013.

Links

Gothenburg Award

SKF Gothenburg Award

Fair Enterprise

Es ist gut zehn Jahre her, dass Björn Söderberg beschloss, es sei an der Zeit, die vertraute Umgebung seiner Heimatstadt  in Schweden zu verlassen und als Volontär nach Kathmandu in Nepal zu gehen. Diese Entscheidung veränderte sein Leben grundlegend.

„Die Familie, bei der ich wohnen sollte, entpuppte sich als Waisenhaus an dem stark verschmutzten Fluss Bagmati“, erzählt Söderberg, heute 31 Jahre alt. „Ich dachte, meinen Computer zuhause zu lassen, sei das Schwierigste. Aber mir wurde schnell klar, die wahre Herausforderung würde darin bestehen, ohne sauberes Wasser zu überleben.“

Vom Dach des Waisenhauses aus hatte er einen guten Überblick über die Stadt, und Tag für Tag bot sich ihm das gleiche traurige Bild. „Jeden Morgen wateten dieselben Frauen durch den schmutzigen Fluss, um ihre Kleidung zu waschen, und jeden Abend wurden am Flussufer gesammelte Abfälle verbrannt, damit sich die Kinder am Feuer wärmen konnten“, erinnert er sich. „Ich begriff, dass das die Zukunft meiner neuen Familie sein würde. Jetzt hatte ich die Wahl: Sollte ich einen Rückflug buchen und nach Schweden in mein schönes Leben zurückkehren oder sollte ich etwas gegen die Situation hier unternehmen?“

Söderberg suchte nach einer Geschäftsidee, die Arbeitsplätze schaffen und den Müll zumindest teilweise beseitigen würde. Ohne Geld und mit Weihnachten vor der Tür bot sich nur eine Lösung an: Glückwunschkarten. Er fand einen schwedischen Käufer, entwickelte als nächstes eine einfache Methode für das Recyceln von Papier und ließ 3.000 Karten drucken. Seine Lösung funktionierte. Innerhalb eines Monats hatte er das Unternehmen Watabaran gegründet und richtete es unter einem Blechdach, getragen von vier Bambuspfählen, ein.

„So kam es, dass ich im Alter von 19 Jahren mein eigener Chef wurde“, lacht Söderberg.

Die Rolle brachte Verantwortung mit sich. Seine Firma hatte acht Mitarbeiter, und kaum einer von ihnen konnte lesen oder schreiben. „Die Einstellung eines Lehrers erwies sich als die beste Investition, die ich je getätigt habe“, sagt er.

2005 gründete Söderberg das nepalesische IT-Unternehmen Web Search, das für schwedische Kunden Programmier- und Webdesignaufgaben übernimmt. Die Kombination von Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten bildete die Grundlage des Geschäftskonzepts. „Nepal braucht Arbeitsplätze für qualifizierte Leute. Viele ehrgeizige und gut ausgebildete Fachkräfte verlassen das Land.“

Söderbergs Energie ist ansteckend. In Schweden ist er ein begehrter Redner und in Nepal ein hervorragender Coach für junge Menschen. Wer kein Geld für Weiterbildung hat, kann sich bei Web Search um ein Stipendium bewerben. Die Mitarbeiter widmen die Hälfte ihrer Zeit ihrem Hochschulstudium und die andere Hälfte als bezahlte Trainees am Arbeitsplatz. Die einzige Bedingung ist, sie müssen nach ihrem Examen vier Jahre für das Unternehmen arbeiten. Web Search ist inzwischen ein florierender Betrieb mit 30 Angestellten. Als nächstes hofft Söderberg, einige Mitarbeiter zur Gründung von Spin-off-Unternehmen bewegen zu können.

Aus der Papierrecyclingfirma ist derweil das Brikettunternehmen Shuba Briquettes Pvt Ltd geworden. „Ich wollte etwas aufbauen, das der Region etwas bringt“, erklärt Söderberg. „In Nepal ist Brennstoff Mangelware, was zu einer Zerstörung von Regenwäldern geführt hat. Dadurch kommt es in der Regenzeit immer wieder zu verheerenden Erdrutschen. Briketts sind ein effizienter Brennstoff, der sogar billiger ist als Brennholz.“

Söderbergs Muttergesellschaft Fair Enterprise beschäftigt 60 Personen und schafft Arbeitsplätze für weitere 40. Fair Enterprise eröffnet in diesem Jahr seinen ersten Kindergarten in Nepal.

2012 wurde Söderberg zusammen mit Michael Biddle von MBA Polymers mit dem Göteborgpreis für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Er beabsichtigt, seinen Anteil des mit einer Million schwedischen Kronen (115.000 Euro) dotierten Preises in die Lösung eines Wasserversorgungsproblems zu investieren. Söderberg erläutert: „Der Klimawandel lässt das Eis im Himalaya schmelzen, was auf die Dauer die Wasserversorgung in den Tälern beeinträchtigt. In einigen Regionen ist die Zahl der Reisernten von drei auf zwei und im schlimmsten Fall sogar auf nur eine pro Jahr zurückgegangen.“

Er hat auch schon eine Idee für ein Konzept: eine Wasserpumpe, die mit der Kraft des Flusses betrieben und zur Bewässerung kultivierter Terrassen an den Hängen der Täler eingesetzt wird. Söderberg ist wie immer fest davon überzeugt, eine Lösung zu finden, die funktioniert und die die Bauern vor Ort selbst in die Hand nehmen können.


Foto: Björn Söderberg

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