In die tiefe See

In die tiefe See

Ein neues Rohrverlegeschiff, die CSO Deep Blue, setzt bei der Verlegung von Pipelines unter Wasser einen neue Standard. Es ist in der Lage, mehr Rohr und tiefer zu verlegen als jedes andere FahrzeugAls führender Anbieter von unterseeischen Lösungen für die Öl- und Gasindustrie betreibt das multinationale Unternehmen Coflexip Stena Offshore Ltd. (CSO) mit Sitz in Frankreich eine beachtliche Flotte von Pipelineverlegefahrzeugen, bestehend aus vier Rohrverlegeschiffen, einem Spezialfahrzeug für den Grabenaushub und zehn Fahrzeugen für den Bau von unterseeischen Konstruktionen, die ständig auf allen sieben Weltmeeren im Einsatz sind, um Pipelines zwischen Bohrinseln und Küste zu verlegen.

Der jüngste und bedeutendste Neuzugang der Flotte ist die CSO Deep Blue im Wert von 180 Millionen Euro. Das von Hyundai Mipo Dockyard in Ulsan (Korea) gebaute und von Huisman Itrec in Holland ausgestattete 50.000-Tonnen-Schiff wird im zweiten Quartal 2001 voll einsatzfähig sein. Das Fahrzeug ist mit modernster Technik ausgerüstet und besitzt die ungewöhnliche Fähigkeit, bis zu 5.000 Tonnen auf Trommeln aufgewickelte starre vorgeschweißte Stahlrohre in Tiefen bis zu 2.500 Metern verlegen zu können.

Die Spezifikationen des Schiffes sprechen für sich. Die CSO Deep Blue wird in der Lage sein, eine Nutzlast von 10.000 Tonnen aufgewickeltes Rohrmaterial, darunter 5.000 Tonnen starre Stahlrohre, 3.500 Tonnen flexible Rohrleitungen und etwa 1.500 Tonnen sonstige Ausrüstung, zu transportieren. Das 206 Meter lange Schiff hat einen Mast von 32 Meter Höhe.

Die Trommeln, die sich oben auf den Schiffsaufbauten befinden, sind so konstruiert, dass an Land vorgeschweißte Rohrleitungen auf See kontinuierlich ausgelegt werden können, und zwar in Längen von bis zu 12,5 Kilometern (400-Millimeter-Rohr) oder von bis zu 333 Kilometern (60-Millimeter-Rohr). Zur Veranschaulichung – 333 Kilometer entsprechen etwa der Entfernung zwischen New York und Washington DC oder zwischen Paris und Brüssel.

Der Hauptgrund für das Schweißen der Rohre an Land besteht darin, dass den Kunden von CSO höhere Qualität und Wirtschaftlichkeit geboten werden können. Rohre auf stürmischer See zu schweißen, ist nicht gerade leicht. Die CSO Deep Blue muss außerdem, verglichen mit kleineren Fahrzeugen, nicht so häufig zum Hafen zurückkehren, um neues Rohrmaterial zu laden. Das mit 120 Seeleuten und Technikern bemannte Schiff bringt es auf eine maximale Reisegeschwindigkeit von 13 Knoten. Dadurch lassen sich die Fahrten zwischen Hafen und Einsatzort sowie die Zeit für den Transport zu einem neuen Projekt verkürzen.

Es ist schwer zu glauben, dass es nicht zu einer Materialschwäche in einem starren Stahlrohr kommt, wenn man es in einer Länge von 333 Kilometern auf eine Spule wickelt, aber das Rohr wird nur einmal gebogen und wieder geradegerichtet.
Die CSO Deep Blue ist sogar schon vor ihrem Stapellauf als das wichtigste Rohrverlegefahrzeug für das Pipeline-Projekt Canyon Express von Elf im Golf von Mexiko vorgeschlagen worden, das im dritten Quartal 2001 beginnen soll. Das berichtet jedenfalls die Online-Version des Magazins Offshore Shipping.

Derselben Quelle zufolge hat CSO Pläne angekündigt, eine Rohrwickelanlage in Mobile (Alabama) zu bauen, um die CSO Deep Blue und ihre nur halb so große Cousine CSO Apache bei der Pipelineverlegung sowie bei Offshore-Bauarbeiten zu unterstützen. Das 130 Hektar große Gelände wird einen Tiefwasserhafen, Straßen- und Eisenbahnanschlüsse, Lagerflächen und Infrastruktur für modernste Rohrschweißverfahren umfassen. Jenachdem, für welche Projekte die CSO Deep Blue in Zukunft eingesetzt wird, könnten ähnliche Anlagen auch in anderen Teilen der Welt errichtet werden, berichtet CSO auf ihrer Webseite.

Für CSO bedeutet die Indienststellung der CSO Deep Blue die größte Einzelinvestition, die das Unternehmen jemals getätigt hat, um seine Flotte an die Tiefsee-Anforderungen seiner Kunden anzupassen. Nach Angaben des Magazins Underwater Contractor International brachte CSO 1999 allein in der Nordsee elf neue Ölfelder zum Fließen.

Die CSO Normand Pioneer, ein von CSO neu gebautes Transport- und Baggerschiff, half im August 2000 beim Transport des britischen Rettungs-U-Bootes LR5 zu der Unglücksstelle, an der das russische U-Boot Kursk gesunken war. Leider wurde die LR5 nie eingesetzt, weil die Kursk völlig geflutet war.

Alexander Farnsworth

Journalist in Stockholm

Fotos Brian Nutt

 

 

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