Neustart für Russlands Schienenverkehr

Neustart für Russlands Schienenverkehr

Mit neuen Konstruktionen und Technologien ist die United Wagon Company in nur fünf Jahren zum führenden Hersteller von Güterwagen in der Russischen Föderation geworden.

Text Tobin Auber
Fotos Alexander Belenky

Lagereinheiten Schienenfahrzeuge

CTBUs von SKF

UWC verwendet kompakte Kegelrollen-Radsatzlagereinheiten (CTBU) von SKF für die Radsätze und Achsen seiner neuen Waggons. Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen beschränkt sich allerdings nicht nur darauf. Als Teil seines integrierten Konzepts errichtet UWC zurzeit auch ein spezielles Lagerinstandsetzungszentrum bei seiner Service-Tochter Titran-Express, die sich ebenfalls auf dem Gelände des Tichwin-Werks befindet.

Es wird das erste lizensierte Servicecenter für die Rekonditionierung von CTBUs in Russland sein, aber es stellt auch noch einen weiteren Meilenstein dar. SKF wird als erster Hersteller von CTBUs an der Schaffung eines „unabhängigen“ Servicecenters für die Aufarbeitung seiner Produkte in Russland beteiligt.

Russland ist beim Schienengüterverkehr weltweit führend. Rund 87 Prozent aller Gütertransporte des Landes werden über die Schiene abgewickelt. In Nordamerika sind es nur 48, in Westeuropa 18 Prozent. Das russische Eisenbahnmaterial ist allerdings weitgehend veraltet. Ein Großteil der zurzeit im Einsatz befindlichen Güterwagen stammt noch aus der Sowjet-Zeit. Der Erneuerungsbedarf ist enorm.

Erneuerung war daher auch das Ziel der United Wagon Company (UWC) bei ihrer Gründung im Jahr 2012. Das Unternehmen investierte circa 1,5 Milliarden US-Dollar in ein neues hochmodernes Fertigungszentrum in der Stadt Tichwin rund 200 Kilometer östlich von St. Petersburg. Dort begann man mit dem Bau einer neuen Generation von Güterwagen. Sie hatten ein Barber-Drehgestell, das zusammen mit Wabtec Corporation in den USA entwickelt worden war.

Wir haben äußerst qualifiziertes Personal, hochwertige Komponenten und ein umfassendes Qualitätssicherungssystem. All das gibt uns die Möglichkeit, sehr hohe Maßstäbe anzulegen.
Igor Korotkov, leitender Produktionsingenieur in der mechanischen Fertigung von TVSZ

Das neue Waggonwerk TVSZ (Tikhvin Freight Car Building Plant) hat einen hohen Automatisierungsgrad. Die 20 Produktionslinien sind mit über 100 Robotern ausgestattet. „Wir haben einen großen Vorteil gegenüber unseren Wettbewerbern“, meint Igor Korotkow, leitender Produktionsingenieur in der mechanischen Fertigung von TVSZ. „Unsere Fabrik ist noch relativ neu. Die Ausstattung ist modern und entspricht allen erforderlichen Spezifikationen und Zertifizierungen. Wir haben äußerst qualifiziertes Personal, hochwertige Komponenten und ein umfassendes Qualitätssicherungssystem. All das gibt uns die Möglichkeit, sehr hohe Maßstäbe anzulegen. Wir liegen sowohl bei der Produktivität als auch bei der Qualität an der Spitze.“

United Wagon Company

Gegründet 2012 in Moskau, Forschungs- und Entwicklungs­abteilung in St. Petersburg, Hauptwerk in Tichwin.

Bietet integrierte Fertigungs- und Transportdienstleistungen, darunter Leasing, Konstruktion und Instandhaltung von Güterwagen.

Baut bis zu 20.000 Güterwagen pro Jahr.

Beschäftigt 10.000 Mitarbeiter.

uniwagon.com

Zahlen belegen Korotkows Worte. Seit der Gründung vor fünf Jahren hat sich das Werk bereits einen Marktanteil von über 40 Prozent am russischen Güterwagensektor gesichert und plant für 2017 den Bau von 20.000 Waggons.

Ein frisch gestrichener Güterwagen.

Ein frisch gestrichener Güterwagen.

Ansprechpartner Verkauf

evolution@skf.com

Dank konzeptioneller und baulicher Innovationen bieten die neuen Waggons eine Vielzahl von Vorteilen, so zum Beispiel größere Wartungsintervalle. Die neuen Waggons müssen erst nach 800.000 Kilometern gewartet werden. Bei der bisherigen Generation war das bereits nach 110.000 Kilometern erforderlich. So konnten die Gesamtbetriebskosten im Vergleich zu den älteren Modellen auf ein Drittel gesenkt werden. Hinzu kommt die höhere Achslast der neuen Waggons. Sie beträgt 25 Tonnen und mehr, während die Obergrenze der früheren Generation bei 23,5 Tonnen lag.

Obwohl die neuen Güterwagen höhere Lasten befördern können, werden die Gleise keinem zusätzlichen Verschleiß ausgesetzt. Im Gegenteil, UWC und Wabtec ist es gelungen, die Gleisbeanspruchung zu reduzieren. Dies resultierte in wirtschaftlichen Vorteilen für die staatliche Bahngesellschaft Russische Eisenbahn, die sämtliche Eisenbahnstrecken und dauerhafte Infrastrukturanlagen in Russland instandhält und betreibt.

Vitali Grekov

Vitali Grekov bei der Bedienung einer LVD-Kuka Blechbiegeanlage.

Das Gesamtkonzept von UWC basiert auf vertikaler Integration. Neben seinen Produktionsstätten betreibt das Unternehmen ein technisches F&E-Zentrum in St. Petersburg, eine Leasing-Firma sowie das Titran-Express Service Center im Tichwin-Werk (siehe Kasten nebenan). Darüber hinaus ist UWC Eigentümer von NPC Springs in Ischewsk, wo jährlich 30.000 Federn für Schienenfahrzeuge produziert werden können.

Laut Roman Sawuschkin, CEO von UWC, bietet dieses Konzept erhebliche Wettbewerbsvorteile angesichts des zyklischen Charakters der Branche, die von der Finanzkrise 2008 besonders hart betroffen war. „Unser Geschäftsmodell garantiert Stabilität und effektive Kooperation in allen Teilen der Wertschöpfungskette vom Entwurf bis hin zum Vertrieb“, so Sawuschkin.

Yuri Murtasinov

Yuri Murtasinov montiert einen Radsatz am Drehgestell.

Derzeit sind die Aussichten für diesen Markt rosig. Laut Branchenanalysten werden bis 2022 rund 300.000 neue Güterwagen benötigt. Das entspricht etwa einem Drittel des russischen Bestandes. Bei einer landesweiten Produktion von circa 40.000 Waggons pro Jahr scheint UWC hervorragend positioniert zu sein, um bei der dringend benötigten Erneuerung der russischen Schienenfahrzeuge eine wichtige Rolle zu spielen.

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