SKF Innovation Challenge

Offen für Neues

Große Unternehmen beteiligen sich an so genannten „Accelerator“- bzw. „Inkubator“-Programmen, um Innovationen schneller in ihr Angebot aufzunehmen und gleichzeitig die Industrieführer von Morgen zu unterstützen.

Text Daniel Dasey
Illustration Robin Boyden

Forschung und Theorie

Etablierte Industrien müssen sich ständig mit neuen Technologien und Innovationen auseinandersetzen. Uber hat weltweit die Taxibranche auf den Kopf gestellt, Airbnb greift massiv in das Hotelwesen ein, und das Netflix-Modell für Medienproduktionen stellt sowohl TV-Sender als auch Hollywoods Filmproduzenten vor eine Herausforderung.
     

Acceleratoren vs. Inkubatoren

Acceleratoren:

  • Bieten Startup-Unternehmen Coaching, Beratung und Schulung
  • Haben das Ziel, den Entwicklungsprozess zu beschleunigen
  • Bieten kürzere Förderprogramme von meist 3-6 Monaten
  • Arbeiten mit Gruppen von Startup-Unternehmen
  • Die Partnerschaft endet mit einem Abschlusszertifikat oder einer Präsentation (Demo-Day)

Inkubatoren:

  • Bieten Startup-Unternehmen Coaching, Beratung und Schulung
  • Konzentrieren sich nicht auf die Beschleunigung des Entwicklungsprozesses
  • Bieten Förderprogramme von bis zu fünf Jahren
  • Nehmen laufend neue Startups auf
  • Die Partnerschaft endet ohne Abschlusszertifikat oder Präsentation

Where an established company might once have felt confident of a bright future, provided it could keep pace with consumer demand, businesses now run the risk of being blindsided by technological and behavioural change.

Früher konnte ein etabliertes Unternehmen auf eine rosige Zukunft vertrauen, wenn es in der Lage war, mit der Nachfrage Schritt zu halten. Heutzutage laufen Firmen ständig Gefahr, von technologischen Neuerungen und Verhaltensänderungen der Verbraucher überrascht zu werden.

Was können große Unternehmen also tun, um sicherzustellen, dass sie stets auf dem neuesten technischen Stand sind und ihr Personal über die richtigen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt? Ein immer beliebteres Konzept ist die Beteiligung an Accelerator- und Inkubatorprogrammen: Etablierte Unternehmen bauen Beziehungen zu vielversprechenden Neulingen im Markt auf. Sie schicken beispielsweise eigene Mitarbeiter zu den angehenden Firmenneugründungen, um sie mit strategischen Ratschlägen, als Mentoren und in einigen Fällen auch mit Kapital zu unterstützen. Im Gegenzug erhalten die Unternehmen einen Anteil an einem erfolgreichen neuen Geschäft und, was vielleicht noch wichtiger ist, Zugang zu neuen Denkansätzen und Technologien.

Die Startups wiederum verschaffen sich Zugang zu potenziellen Kunden und strategischen Anlegern sowie zu qualifiziertem Branchen- und Managementwissen.
Ian Hathaway

Unternehmen, die sich an Startup-Programmen beteiligen, sichern sich „einen der vordersten Plätze bei den absolut neuesten Entwicklungen“, wie es der Berater Ian Hathaway ausdrückt. Er ist Senior Fellow bei der Brookings Institution, einer der führenden Denkfabriken in den USA. „Sie erleben den Gründergeist; das kann die Unternehmenskultur beflügeln. Außerdem können sie ihre unternehmerische Entwicklung und ihre Innovationsbemühungen diversifizieren und verbessern. Die Startups wiederum verschaffen sich Zugang zu potenziellen Kunden und strategischen Anlegern sowie zu qualifiziertem Branchen- und Managementwissen. Sie erhalten auch Kenntnisse über Märkte und Lieferanten, die sie sich allein nur schwer aneignen könnten. Auf diese Weise profitieren beide Seiten.“

Einem 2017 von der Finanzierungsplattform Gust veröffentlichten Bericht zufolge stieg die Zahl der Accelerator-Programme von 2015 bis 2016 weltweit um 50 Prozent auf 579.

„Einem 2017 von der Finanzierungsplattform Gust veröffentlichten Bericht zufolge stieg die Zahl der Accelerator-Programme von 2015 bis 2016 weltweit um 50 Prozent auf 579. Sie unterstützten nahezu 9.000 Startups und umfassten Investitionen von rund 206 Millionen US-Dollar.“

Obwohl die Definitionen variieren, bieten sowohl Inkubatoren als auch Accelerators den Startup-Unternehmen ein Forum für die Entwicklung ihres Geschäftskonzepts, meint Susan Cohen, Dozentin für Management an der Robins School of Business der University of Richmond im US-Bundesstaat Virginia. Während der Inkubator jedoch in der Regel ein langfristiges Förderprogramm von bis zu fünf Jahren anbietet, zielt ein Accelerator darauf ab, das Wachstum eines Startups möglichst schnell voranzutreiben; das Programm ist zeitlich befristet und endet meist mit einer Präsentation, dem so genannten „Demo-Day“. Beide Arten von Förderprogrammen können von unabhängigen Stellen betrieben, staatlich unterstützt oder in Unternehmen angesiedelt werden.

Accelerator- und Inkubatorprogramme erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Einem 2017 von der Finanzierungsplattform Gust veröffentlichten Bericht zufolge stieg die Zahl der Accelerator-Programme von 2015 bis 2016 weltweit um 50 Prozent auf 579. Sie unterstützten nahezu 9.000 Startups und umfassten Investitionen von rund 206 Millionen US-Dollar.
      

SKF Innovation Challenge

2017 lancierte SKF die Innovation Challenge. Sie zielt auf eine enge Zusammenarbeit mit Startup-Unternehmen ab, um die digitale Transformation bei SKF zu beschleunigen. Der erste Schritt dieser Initiative wurde in Frankreich umgesetzt. Unterstützt wurde SKF dabei vom französischen IT-Dienstleister Atos, der wissenschaftlichen Datenbank Techniques de l’Ingénieur sowie der Innovationsplattform Agorize, die Unternehmen mit Startups in Kontakt bringt.

Über 80 Startups bewarben sich um die Teilnahme an dem Projekt; 14 wurden schließlich nach einem Auswahlverfahren für ein Mentorprogramm bei SKF ausgesucht. Am Ende erhielten vier Startups einen Preis. Der größte Gewinn ist jedoch die Beziehung, die dank dieser Initiative zwischen den Startups und dem „Förder-Unternehmen“ entstanden ist. Inzwischen wurden bei sechs Startups Machbarkeitsanalysen (Proof of Concepts, POC) eingeleitet – vier von ihnen haben Lösungsvorschläge für maschinelles Lernen, eins zur Erkennung der Bearbeitungsqualität und eins hat eine Lösung für die Energieverbrauchsüberwachung entwickelt.

Y Combinator in Kalifornien gilt als der erste Accelerator und ist auch einer der namhaftesten. Seit seiner Gründung 2005 hat er Unternehmen, die heute weltweit bekannt sind (bspw. Dropbox, Airbnb und Reddit), zu den ersten Schritten verholfen. Große Accelerator-Namen sind auch Techstars – mit unter anderem Amazon, GE und Ford als Partner – sowie PlugAndPlay.

Laut Cohen werden Accelerators meist mit Software und IT verknüpft, aber das Konzept funktioniert in jeder Sparte. „Man findet sie in einer Vielzahl von Branchen, darunter in der Energie-, Nahrungsmittel- und Automobilindustrie, im Einzelhandel sowie im Telecom- und Gesundheitsbereich“, erklärt sie.

Bei den Inkubatoren haben vor allem die Firmen Idealab in Kalifornien und The Icehouse in Neuseeland Tausenden von Unternehmern beim Aufbau ihres Geschäfts geholfen.

Der schwedische Telekomausrüster Ericsson, ein globaler Anbieter von Informations- und Kommunikationslösungen, ist ein gutes Beispiel für Unternehmen, die durch enge Zusammenarbeit mit Startups eine Innovationskultur aktiv fördern. 2014 gründete der Technologieriese die Ericsson Garage, eine „offene Innovationsplattform“, die ihr Gründer und Leiter, Sandor Albrecht, als ein Mittelding zwischen Accelerator und Inkubator beschreibt. An 13 Standorten in Nordamerika, Europa und Asien sind „Garages“ Foren, in denen sich Ericsson-Mitarbeiter eine Auszeit nehmen können, um neue Geschäftsideen auszutüfteln. Darüber hinaus führt das Unternehmen jedes Jahr einige Startups durch, ein sechsmonatiges Mentor- und Ausbildungsprogramm, das auch Kontakte zu Ericssons Vertriebspersonal und Kunden umfasst.

Ericsson konzentriert sich auf Möglichkeiten, die sich aus der 5G-Telekommunikationstechnik ergeben. Der Kontakt zu Startups hat dem Unternehmen aber auch die Augen für Anwendungen und Chancen geöffnet, die man sonst eventuell verpasst hätte, sagt Albrecht: „Eines der Startups in unserem diesjährigen Inkubatorprogramm ist Build-r, eine kleine schwedische Neugründung, die die Bauindustrie mit Robotertechnik revolutionieren will. Build-r baut und verkauft einen Roboter, der Trockenbauelemente installieren kann“, sagt er. „Wir wären niemals auf so eine Anwendungsmöglichkeit gekommen. Das zeigt wieder einmal, wie innovativ die 5G-Plattform ist.“

Acceleratoren vs. Inkubatoren

 

Hathaway glaubt mehr an die Accelerator-Idee. Sie bringe für Startups bessere Ergebnisse, vor allem, indem sie die Entwicklung beschleunigt. „Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass Accelerators ihre Ziele im Allgemeinen erreichen. Sie erhöhen für die jungen Unternehmen die Chance, Risikokapital zu beschaffen, Kunden zu akquirieren und andere Wachstumskennzahlen zu realisieren“, erklärt er. „Allerdings sind nicht alle Accelerators effektiv – das sollte man wissen. Viele führen nicht zum Erfolg und einige richten geradezu Schaden an. Auf die Qualität kommt es an. Die Wirkung von Inkubatoren bleibt unklar.“ Die private Stiftung Kauffman Foundation aus Missouri habe beispielsweise über 30 Fälle geprüft und keinen eindeutigen Beweis dafür gefunden, dass Inkubatoren einen positiven Einfluss auf Startups ausüben.
      

Ansprechpartner Verkauf

evolution@skf.com

Cohen warnt davor, zu glauben, dass allein die Verbindung zu einem Startup geschäftlichen Erfolg gewährleistet. Sie ist fest davon überzeugt, dass viele etablierte Unternehmen auch andere Wege finden, um ihre Position zu wahren, wenn sich die Technologie weiterentwickelt. „Es gibt eine Menge Innovationen, die große etablierte Akteure nicht aus dem Konzept bringen“, so Cohen. „Wie es aussieht, haben zum Beispiel Elektrofahrzeuge keinen negativen Effekt auf die Automobilindustrie. Klar, Elektroautos sind eine große Innovation, aber das heißt nicht automatisch, dass sie als Neuheit de­struktiv wirken.“

Hathaway betont jedoch, wie wichtig es für etablierte Unternehmen ist, sich bei Markttrends auf dem neuesten Stand zu halten. Als Beispiel nennt er den oft zitierten Fall von Kodak – einstmals Weltmarktführer für fotografische Ausrüstung mit globaler Präsenz. Kodak erkannte das Potenzial neuer Technologien nicht rechtzeitig und hielt an seinem alten Geschäftsmodell fest, als die Digitalkameras den Markt eroberten. Durch die falsche Beurteilung dieses Trends wurde Kodak weitgehend ausgelöscht. „Unternehmen, die nicht versuchen, mit der Innovationskultur und dem Erneuerungsgeist Schritt zu halten, laufen Gefahr, denselben Weg zu gehen wie Kodak“, schließt Hathaway.

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