Rekordverdächtige Partnerschaft

Rekordverdächtige Partnerschaft

Seit seiner Gründung vor 70 Jahren arbeitet Ferrari eng mit SKF zusammen. Die technische Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen ist die längste in der Geschichte der Formel 1.

Text Claudia B Flisi
Fotos Ferrari

Personenkraftwagen

Fakten

Gegründet
1939 von Enzo Ferrari als Auto Avio Costruzioni im italienischen Maranello. Das erste Auto unter dem Namen Ferrari kam 1947 auf den Markt, weswegen dieses Jahr als offizielles Gründungsjahr des gleichnamigen Unternehmens gilt.

Besitzverhältnisse
Ferrari N.V. ist die Holding-Gesellschaft von Ferrari S.p.A. und an der New York Stock Exchange notiert. Sie ist eine von FCA (Fiat Chrysler Automobiles) getrennte Einheit, die zuvor Ferrari S.p.A komplett besaß und derzeit 80 Prozent des Unternehmens hält.

Sitz
Der Rechtssitz ist Amsterdam. Ferraris Fabrik, Rennstrecke und Museum befinden sich in Maranello rund 18 Kilometer von Modena in der Region Emilia-Romagna im Nordosten Italiens.

Produktlinien
Autos, die laut dem Markenbewertungsunternehmen Brand Finance die stärkste Sportwagenmarke der Welt tragen.

Zahl der Beschäftigten
2.858.

Globale Umsatzerlöse
3,105 Milliarden Euro (2016).

Ansprechpartner Verkauf

, evolution@skf.com

Siebzig Jahre und so sexy! Der italienische Autohersteller Ferrari feiert in diesem Jahr seinen siebzigsten Geburtstag und das, so das britische Markenbewertungsunternehmen Brand Finance, als weltweit stärkste Automarke. Zudem ist die Scuderia Ferrari das erfolgreichste Rennteam in der Geschichte der Formel 1 mit 224 Grand-Prix-Siegen seit Beginn der Rennserie 1950. Für diesen beneidenswerten Rekord gibt es sowohl objektive als auch emotionale Gründe. Enzo Ferrari selbst war keineswegs ein gefühlsgesteuerter Mensch.

Die Schaffung eines neuen Sportwagens ist immer Teamarbeit. Es ist ein Sammelwerk, eine gemeinschaftliche Anstrengung.
Enzo Ferrari

Er sagte einmal: „Die Schaffung eines neuen Sportwagens ist immer Teamarbeit. Es ist ein Sammelwerk, eine gemeinschaftliche Anstrengung.“

Als Lagerhersteller und führender Technologieanbieter in diesem Bereich arbeitet SKF seit 1947 mit Ferrari zusammen. Daraus entwickelte sich die längste ununterbrochene technische Partnerschaft in der Geschichte der Formel 1. Die Spezifikationen der Rennserie haben sich im Laufe der Jahre dramatisch verändert, auch die Technik hat sich mit der Einführung neuer Verbundwerkstoffe weiterentwickelt. In beiden Unternehmen haben immer wieder neue Personen zusammengearbeitet, doch die Partnerschaft ist heute genau so stabil wie am Anfang.

Andrea Candelpergher, Ingenieur in der Konstruktionsabteilung von Scuderia Ferrari, nennt dafür vier Gründe: Verfügbarkeit, Schnelligkeit, Kompatibilität und Erfahrung.

Verfügbarkeit bedeutet, dass SKF bei Bedarf jederzeit zur Stelle ist. „In Notfällen oder wenn wir schnell eine Antwort brauchten, hat SKF immer prompt reagiert und uns Komponenten, Fachkompetenz oder was gerade benötigt wurde, bereitgestellt“, sagt er. Andrea Rifici, der bei SKF als Anwendungstechniker für die Formel 1 tätig ist, bestätigt das:„Die Welt der Formel 1 steht nie still und wir auch nicht. Wir sind jederzeit verfügbar, selbst an Wochenenden.“

Schnelligkeit ist bei der Formel 1 wichtig, denn die Leistung auf der Rennstrecke wird in Millisekunden gemessen. Für einen Lieferanten bedeutet das nicht nur, schnell auf eine Anfrage zu reagieren, sondern auch schnelle Durchlaufzeiten in der Fertigung zu gewährleisten. SKF kann den ersten Prototypen eines neuen Lagers in zwölf Wochen herstellen, wenn Ferrari das wünscht.

Kompatibilität ist ein Ausdruck dafür, dass das Scuderia Ferrari-Team und seine SKF Partner auf derselben Wellenläge sind. Candelpergher zufolge denken die SKF Ingenieure, die mit seiner Gruppe arbeiten, „genau wie wir“. „Sie teilen in jeder Hinsicht Ferraris Vision des Formel-1-Rennsports“, fügt er hinzu.

Wir haben dieselben Ideale und Ziele und den Wunsch zu gewinnen. Wir vertrauen einander.
Andrea Rifici, SKF Anwendungstechniker

Mit der Scuderia Ferrari zu arbeiten, sei eine enorme Verantwortung für die drei SKF Ingenieure, die für dieses Projekt abgestellt sind, betont Rifici. „Wir gelten als Teil des Scuderia Ferrari-Teams“, erklärt er. „Wir haben dieselben Ideale und Ziele und den Wunsch zu gewinnen. Wir vertrauen einander.“ Die SKF Ingenieure stehen in direktem Kontakt zu ihren Scuderia Ferrari-Kollegen und haben die Freiheit, Spezialprodukte für Ferrari zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf Gewichtsreduzierung, Verringerung der Reibungsmomente und Einsatz der neuesten verfügbaren Technologie.

Erfahrung fasst das gewaltige Lagerwissen von SKF aus unzähligen Anwendungen zusammen. Dieser Wissensschatz hilft dem Team angesichts der Schnelligkeit und Komplexität der Formel 1 sehr. In einem einzigen Rennwagen befinden sich 150 verschiedene SKF Komponenten. „Die Gesamtzahl ist noch höher“, meint Rifici. Zudem werden jedes Jahr einige Ferrari-Lager modifiziert oder umgestaltet, weil veränderte Anforderungen, neue Bestimmungen, neue Werkstoffe, neue Strategien und bei Rennen aufgetretene Probleme dies erfordern. Die Scuderia Ferrari analysiert diese Probleme und schickt dann die Lager zu SKF für weitere Untersuchungen und Verbesserungsvorschläge. So entsteht ein kontinuierlicher Zyklus von Entwicklung, Test, praktischem Einsatz, Feedback und Modifikation.

Da Geheimhaltung in der wettbewerbsintensiven Welt der Formel 1 eine große Rolle spielt, werden konkrete Beispiele für Verbesserungen selten bekannt. Rifici erwähnt jedoch, dass einmal bei einem bestimmten Lagersatz Standardstahl gegen eine spezielle Stahllegierung ausgetauscht wurde und sich dies auf der Rennstrecke sofort durch eine Leistungsverbesserung bemerkbar machte.

Neben den jährlichen Neuerungen im Formel-1-Reglement kommt es alle vier bis fünf Jahre zu erheblichen Veränderungen. 2017 handelt es sich um Modifikationen in der Aerodynamik und einen Wechsel zu größeren Reifen. Das betrifft auch Radlager, weil sie höhere Geschwindigkeiten, mehr Gewicht und höhere Temperaturen bei gleicher oder besserer Leistung und Zuverlässigkeit bewältigen müssen. Die Scuderia Ferrari erwartet von SKF hocheffiziente Lager, vor allem Radlager, die bei minimalen Abmessungen und möglichst geringem Gewicht die Leistung maximieren.

„Wir treffen uns wöchentlich mit SKF, um Probleme, Entwicklungen und Konstruktionsfragen zu besprechen“, sagt Candelpergher. „Die persönlichen Beziehungen, die wir seit langem zu SKF haben, sind dabei sehr hilfreich.“ Er bestätigt damit das, was Enzo Ferrari bereits vor vielen Jahrzehnten über Teamarbeit sagte: „Der menschliche Faktor könnte eine Erklärung dafür sein, warum unsere Zusammenarbeit schon so lange funktioniert.“

 

 

Ähnliche Inhalte