A container carrier in Rotterdam port.

Weltweiter Ausbau des Schifffahrtsbereichs

Mit der Übernahme des deutschen Herstellers von Schiffkomponenten Blohm + Voss Industries hat SKF ihre Präsenz in der Schifffahrtsindustrie erheblich ausgebaut. Das nun als SKF Blohm + Voss Industries GmbH neu firmierte Konzernunternehmen wird SKF als globalen Schiffbauspezialisten und bevorzugten Partner für die Anwendungsentwicklung im Bereich maritimer Systeme verstärkt positionieren.

Autoren:
David LH Johansson, Leiter Marine Business Development, SKF Göteborg, Schweden
Martin Johannsmann, Geschäftsführer SKF BVI, Hamburg

Konstruktion Wartung Dichtungen Transport und Logistik

Zusammenfassung

Die ehrgeizigen Ziele von SKF hinsichtlich ihrer Produkte und Dienstleistungen für die Schifffahrtsindustrie führten zur Übernahme eines bedeutenden Anbieters mit einem ergänzenden Portfolio im maritimen Bereich. SKF Blohm + Voss Industries GmbH, die neue SKF Tochtergesellschaft im Geschäftsbereich „Marine“, stärkt die globale Marktposition von SKF auf diesem Sektor.

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Marine Solutions

SKF BVI

Ansprechpartner Verkauf

Staffan Holmberg, Staffan.Holmberg@skf.com

Seit mehr als 70 Jahren ist SKF mit ihrem Fachwissen in der Fertigung kritischer Komponenten im maritimen Bereich vertreten. Nach der Eingliederung der Produkte und Dienstleistungen von Blohm + Voss Industries (BVI) umfasst das Portfolio von SKF im Geschäftsbereich „Marine“ nun auch Wellenleitungskomponenten wie Stevenrohre, Abdichtungen und hydrodynamische Lager sowie Stabilisatoren und Entöler. Die Lösungen von SKF, die von Kupplungen über Produkte für Wellenantriebe bis hin zu integrierten Einheiten für Antriebssysteme reichen, senken nicht nur die Betriebskosten, sondern unterstützen die Betreiber auch in ihren Bemühungen um eine geringere Umweltbelastung.

Das im SKF Geschäftsbereich „Marine“ angesiedelte Unternehmen SKF Blohm + Voss Industries verfügt über ein weltweites Netzwerk an spezialisierten Vertriebs­agenten mit ausgezeichnetem Marktzugang, über das SKF Produkte bei Werften und Reedereien gezielt vorgestellt werden können. Im Gegenzug dazu verstärkt SKF die Präsenz und Vertriebsmöglichkeiten bei vielen Herstellern von Antriebssystemen. Zudem besitzt SKF Blohm + Voss Industries auch eine große Zahl von Servicestationen für Wartungs- und Reparaturarbeiten, die SKF eine größere Kundennähe verschaffen und das Netz von SKF Niederlassungen für den Schiffbau weltweit erweitern.

Anforderungen der Schifffahrts­industrie
Moderne Schiffsflotten sehen sich vor die Herausforderung gestellt, trotz steigender Treibstoffpreise, immer strengerer Umweltvorschriften und wachsender Gesundheits- und Sicherheitsbedenken profitabel zu bleiben. Dabei müssen die Betreiber der zunehmend spezialisierten Flotten sämtliche Möglichkeiten zur Optimierung der Lebensdauer eines Schiffes nutzen, um Produktivitätsziele erreichen und Wartungs- und Reparaturkosten senken zu können. Dies bedeutet, dass Systemlieferanten und Schiffbauzulieferer zuverlässigere und treibstoffsparendere Produkte entwickeln müssen. Während die Werften an einer Produktivitätserhöhung und Senkung der Herstellkosten interessiert sind, verfolgen die Schiffsbetreiber das Ziel, die Zeit auf See zu maximieren, die Wartungskosten zu verringern und dem Schiffspersonal eine sichere Arbeitsumgebung zu bieten.

SKF hat sich zum Ziel gesetzt, alle Geschäftsfelder der Schifffahrtsindustrie als Zulieferer und bevorzugter Partner für Anwendungsentwicklung der Erstausrüster und Schiffswerften zu bedienen und ein führender Anbieter von Serviceleistungen im Bereich Anlagenmanagement für maritime Endkunden zu sein. SKF ist in der gesamten Schifffahrtsindustrie aktiv, vor allem aber in den Bereichen Handelsschiffe, Offshore-/Arbeitsschiffe und Passagier-/Kreuzfahrtschiffe. Nun werden auch die beachtlichen Anlagen und das umfangreiche Portfolio des in der gesamten Schifffahrtsindustrie angesehenen Unternehmens SKF Blohm + Voss Industries dafür sorgen, dass SKF als anerkanntem Zulieferer im maritimen Bereich noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und sich die Marktposition von SKF weiter verbessert.

Aktivitäten und Leistungsvermögen von BVI
Das aus der 1877 gegründeten Schiffswerft und Maschinenfabrik Blohm + Voss hervorgegangene Unternehmen BVI beschäftigt heute über 400 Mitarbeiter. Die weitreichenden Aktivitäten und das hohe Leistungsvermögen der Gesellschaft mit Sitz in Hamburg ergänzen die vorhandene Produkt- und Dienstleistungspalette von SKF im „Marine“-Geschäftsbereich (Bild 1). Mit einem Portfolio, das Abdichtungen und die in der Schifffahrtsindustrie sehr wichtigen hydrodynamischen Lager umfasst, stärkt das Unternehmen die SKF Serviceleistungen und sorgt für eine zusätzliche Marktpräsenz mit den im Mehrheitsbesitz befindlichen Tochtergesellschaften in Schanghai, Hongkong, Singapur und Busan (Südkorea) und mit Minderheitsbeteiligungen an Betrieben in Andover (Großbritannien) und Kobe (Japan) sowie mit einem Netzwerk an 60 internationalen Verkaufsrepräsentanten und Servicestationen weltweit. Durch die Übernahme und mit dem neuen Namen SKF Blohm + Voss Industries GmbH wird die Gesellschaft Teil der SKF Gruppe, einem der renommiertesten Maschinenbaukonzerne mit mehr als 47 000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 8 Mrd. Euro.

Produkte und Dienstleistungen
Das Angebot von SKF Blohm + Voss Industries gliedert sich in drei Produktgruppen: Wellenleitungskomponenten (wie Stevenrohrabdichtungen (Bild 2), hydrodynamische Lager (Bild 3) und komplette Stevenrohrsysteme), Stabilisatoren (Bild 4) und Bilgewasserentöler. Das umsatzstärkste Produkt ist die in zahlreichen Ausführungen erhältliche Stevenrohrabdichtung, die Schiffswellen und dazugehörige Komponenten gegen eindringendes Seewasser schützt und gleichzeitig das Austreten von Öl in die See verhindert. Bei diesen unter der Marke SIMPLEX-COMPACT vertriebenen Elastomer-Lippenabdichtungen für öl- und wassergeschmierte Antriebssysteme handelt es sich um flexible, langlebige Dichtringe, die sich den Wellenbewegungen anpassen. Außerdem lässt sich dieses hervorragende, äußerst zuverlässige Produkt einfach einbauen und warten.

Die SIMPLEX-COMPACT-Reihe umfasst auch Gleitringdichtungen für öl- und wassergeschmierte Antriebssysteme in vielen Größen und Ausführungen. Dabei sind insbesondere die vorgegebenen Druckverhältnisse und die hohe Verschleißfestigkeit dieser Stevenrohrabdichtungen äußerst vorteilhaft.

Zu diesem Produktportfolio zählen auch Gleitlager in verschiedenen Ausführungen, die optional mit Abdichtungen eingesetzt werden können, welche die strengen SOLAS-Regeln erfüllen. Daneben gibt es auch das SIMPLEX Flexi­Tube, eine Komplettlösung bestehend aus Lagerungen, Laufbuchsen und Abdichtungen. Der Geschäftsbereich Wellenleitungskomponenten für den Schiffsneubau und die Ersatzteilversorgung stellt damit einen bedeutenden Anteil am Gesamtgeschäft dar.

In den anderen Produktgruppen sind neben den kompakten, leicht zu bedienenden TURBULO-MPB Bilgewasserentölern, welche die für die Ölabscheidung geltenden Vorschriften erfüllen und sogar übertreffen, auch die aktiven Stabilisierungssysteme SIMPLEX-COMPACT mit den schwenkbaren Flossenstabilisatoren und Festflossenstabilisatoren (Bild 4 und 5) und den Ruder-Roll-Stabilisierungssystemen zu nennen. Letztere sind bewährte hochmoderne Systeme, die den Vorgaben und Bestimmungen internationaler Klassifikationsgesellschaften und Schifffahrtsbehörden entsprechen. Sie bieten eine hohe Rollreduzierung bei niedrigen Montage- und Lebenszykluskosten. Schließlich zeichnen sich die SIMPLEX-COMPACT Drehflügelmotoren mit ihren integrierten oberen Radial- und Ruderträgerlagern durch eine solide Konstruktion aus und sind nicht nur langlebig, sondern auch extrem stoß- und schwingungsfest.

Diese Produktpalette stellt eine Erweiterung des SKF Angebots dar. Es gibt keine Überschneidungen mit SKF Lagern für den maritimen Bereich, da die hydrodynamischen Lager einen Neuzugang darstellen. Das BVI Portfolio ergänzt das bestehende SKF Portfolio im Geschäftsbereich „Marine“ nicht nur in hervorragender Weise, sondern bildet auch einen bedeutenden „Knotenpunkt“ innerhalb der maritimen Aktivitäten von SKF.

SKF Blohm + Voss Industries ist von den Klassifikationsgesellschaften GL, LR, ABS und RMRS zur Selbstzertifikation zugelassen. Dies verringert einerseits den zeitaufwendigen Verwaltungsaufwand für den Kunden und ist andererseits ein weiterer Beleg für die außergewöhnliche Zuverlässigkeit des Qualitätssicherungssystems, das regelmäßig von den wichtigsten Zertifizierungsstellen geprüft wird, für die das Unternehmen normalerweise Prüfungen und Freigaben von Produkten durchführt.

Forschung und Entwicklung
Die Eingliederung von BVI in die SKF Gruppe hat in der Forschung und Entwicklung sowie in verwandten Aktivitäten für Auftrieb gesorgt. Die Entwicklung konzentriert sich darauf, den Kunden Lösungen zu bieten, mit denen die Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer eines Schiffes mini­miert und seine Energieeffizienz, Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit im Bereich Sicherheit, Gesundheit und Umwelt (SGU) verbessert werden können.

Es laufen bereits Projekte, und SKF hat die Möglichkeiten genutzt, um die Produkte von BVI mit eige­nem Expertenwissen zu verbessern, wie etwa durch Einführung von SKF/Lincoln Schmieraggregaten bei Abdichtungen und Lagerungen.

Seit vielen Jahren arbeitet BVI zusammen mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg an neuen Abdichtungstechnologien. Mit der Universität Rostock laufen Projekte zur Entwicklung von Schiffslagern. Darüber hinaus unterhält das Unternehmen hervorragende Verbindungen zu anderen Instituten, darunter die Technische Universität Dresden. Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Forschungsprojekte fließen kontinuierlich in die eigenen Produkt­entwicklungsprozesse zurück.

Vorteile für die Kunden
Das neue SKF Konzernunternehmen verschafft den Reedereien und Werften Zugang zum umfang­reichen Produkt- und Serviceportfolio von SKF auf den Gebieten Lager, Dichtungen und Schmiersysteme sowie Lösungen und Dienst­leistungen rund um die Wartung und Zustandsüberwachung.

Aufgrund des umfangreicheren Portfolios und breiteren Anwen­dungswissens konnte bereits eine Verbesserung der Geschäftsbeziehungen zu verschiedenen Großkunden in der Schifffahrts­industrie festgestellt werden. Auch bei Anwendungen außerhalb des Schiffbaus, wie etwa bei den Hauptwellen von Windkraft­anlagen, konnten aufgrund des Engagements von SKF in anderen Branchen Erfolge bei Montage- und Verarbeitungsdienstleistungen erzielt werden.

Die Kunden profitieren von der Kombination aus Fachkompetenz seitens SKF und den auf Schiffsbau und Schiffsbetrieb ausgerichteten Aktivitäten von BVI. Das neue Gemeinschaftsunternehmen wird ein noch stärkerer Partner für die Schifffahrtsindustrie sein und als Hersteller kritischer Komponenten und Anbieter schneller und zuverlässiger Serviceleistungen für neue Herausforderungen im sich ständig wandelnden Umfeld dieser Branche entwickeln.

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