Christian de Boisredon, Gründer von Sparknews und Impact Journalism Day.

Ein Funken Hoffnung

„Blut verkauft sich immer gut“ – gegen dieses Medienmotto kämpft Christian de Boisredon. Der Gründer von Sparknews und Initiator des Impact Journalism Day wünscht sich eine optimistischere Darstellung unserer Welt.

Text Anna McQueen
Fotos Audrey Bardou

Schon im Alter von 24 Jahren hatte der frisch gebackene Hochschulabsolvent Christian de Boisredon genug von all den schlechten Zeitungsmeldungen. Er beschloss, zusammen mit ein paar Freunden die Welt zu bereisen. Ziel war es, diejenigen kennenzulernen, „die durch innovative Projekte etwas verändern wollen“.

„Wir fuhren in einem Peugeot 104 durch Teile von Afrika, reisten per Bus durch Südamerika und mit dem Zug quer durch Asien. Schließlich kehrten wir aus Osteuropa in einem Trabant nach Hause zurück“, erzählt de Boisredon. Gesponsert wurde die Reise von der französischen multinationalen Handelskette Carrefour.
 

Christian de Boisredon

Geboren: 1974
Wohnt in: London, Großbritannien.
Interessen: Positive Innovation, lösungsorientierter Journalismus, Positive Education (Positive Bildung)
Aktuelle Lektüre: Reinventing Organizations (Die Neuerfindung der Organisation) von Frederic Laloux
Freizeitaktivitäten: Angeln mit seinen Söhnen
Lieblingsausdruck: „Jedes Mal, wenn wir etwas essen und trinken, können wir uns für die Welt entscheiden, die wir haben möchten“ von Emmanuel Faber, CEO von Danone

Nach der Rückkehr erhielt de Boisredon das Angebot, ein Buch zu schreiben. Seine Freunde und er organisierten einen Vortrag über ihre Reise und brachten 3.500 Personen dazu, jeweils 10 Euro für die Teilnahme zu bezahlen. So finanzierten sie das Event und schufen eine Plattform für die Lancierung ihres Buches mit dem Titel World Hope Tour. Das Buch wurde zum Bestseller und ist inzwischen in sieben Sprachen übersetzt.

Obwohl sehr viele führende Pressevertreter die Idee ansprechend fanden, hielten sie weiter an der Überzeugung fest, Leser seien an positiven Nachrichten nicht interessiert – denn Blut verkauft sich immer gut, oder?
Christian de Boisredon

Danach stieg de Boisredon bei Arthur Andersen Consulting als Berater für Strategie- und Veränderungsmanagement ein. Er träumte jedoch immer davon, an die Erfahrungen seiner Reise anzuknüpfen und einen positiven Einschlag in die tägliche Nachrichtenflut zu bringen. Sein Arbeitgeber bestärkte ihn darin. Schließlich arrangierte de Boisredon 2004 ein großes Event mit über 1.500 Journalisten und Meinungsführern im UNESCO-Hauptsitz in Paris. Die Veranstaltung wurde ein Riesenerfolg. „Wir sprachen darüber, warum Journalisten nicht öfter über Lösungen berichten anstatt über Probleme“, erklärt er. „Aber obwohl sehr viele führende Pressevertreter die Idee ansprechend fanden, hielten sie weiter an der Überzeugung fest, Leser seien an positiven Nachrichten nicht interessiert – denn Blut verkauft sich immer gut, oder?“

Fest entschlossen, das Gegenteil zu beweisen, startete de Boisredon eine Kampagne bei der überregionalen französischen Tageszeitung Libération mit dem Ziel, sie zu einer Ausgabe mit ausschließlich positiven Meldungen zu überreden. „Am 26. Dezember 2008 druckte die Redaktion so eine Ausgabe. Sie erhielt den Titel ‘Libé des Solutions’“, erinnert er sich. „Es war ein solcher Erfolg – die am besten verkaufte Ausgabe des Jahres –, dass wir das noch neun Mal wiederholten!“

 

Christian de Boisredon

Christian de Boisredon engagiert sich für eine optimistischere Darstellung unserer Welt.

Mit der Gründung von Sparknews setzte de Boisredon 2012 seine Kampagne fort. Ziel war es, innovative Lösungen aufzuspüren, publik zu machen und der Unternehmenswelt zu präsentieren. Sparknews hat verschiedene Missionen. Eine der wichtigsten ist der Impact Journalism Day. „55 internationale Newsdesks arbeiten zusammen und veröffentlichen an einem Tag im Jahr zwischen 20 und 50 Beiträge mit guten Nachrichten in Printmedien und im Netz. Viele bekannte Namen unterstützen uns. Deswegen bekommt das Event immer jede Menge Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken“, freut sich de Boisredon. Am 24. Juni 2017 fand der Tag zum fünften Mal statt. „Diesmal erreichten wir neben den rund 120 Millionen Lesern auch 45 Millionen Menschen auf Twitter.“

Sparknews finanziert sich durch Sponsorengelder. Das Unternehmen betreibt auch das Projekt Solutions & Co, bei dem 20 täglich erscheinende Wirtschaftszeitungen, darunter The Financial Times, Les Echos und China Business News, mitmachen. „Wir setzen uns für einen lösungsorientierten Journalismus aus dem Blickwinkel der Finanzwelt ein. Das diesjährige Thema ist die Kreislaufwirtschaft“, so de Boisredon.

De Boisredon hat außerdem den Positive Innovation Club mit circa 30 internationalen Mitgliedern, darunter Unternehmen wie SKF, BNP Paribas, Adidas und L’Oréal, ins Leben gerufen. „Alle zwei Monate stellen wir ihnen acht innovative Projekte, Start-Ups oder Initiativen vor“, sagt er. „Jedes Projekt bekommt eine dreiminütige Einführung. Anschließend halten wir acht einstündige Workshops zu den besten Projekten ab, um zu prüfen, wie sie kommerziell genutzt werden können. Wir wollen Menschen zusammenzubringen, um mehr positives Wirtschaftswachstum durch Innovation zu erzielen.“

De Boisredon ist viel beschäftigt. „Wir haben so viele Ideen und potenzielle Projekte, dass unser größtes Problem darin besteht, diejenigen auszuwählen, auf die wir uns konzentrieren wollen“, lacht de Boisredon. „Wir suchen neben unseren fünf Hauptsponsoren immer nach neuen Partnern, die uns bei zukünftigen Projekten wie etwa unserer geplanten Aktion für weibliche Unternehmer unterstützen wollen“, fügt er hinzu.
 

Ansprechpartner Verkauf

evolution@skf.com

„Wenn uns vor fünf Jahren jemand gesagt hätte, dass wir Nachrichtenmedien in 50 Ländern dazu bringen, sich für die regelmäßige Verbreitung von positiven Meldungen stark zu machen, hätte ich das nicht geglaubt. Aber so ist es“, sagt de Boisredon. „Zurzeit bemühen wir uns um eine ähnliche Initiative im Fernsehen. Wir möchten weitere Unternehmen mit ins Boot holen und unsere Aktivitäten auf andere Nachrichtenmedien ausweiten. In Frankreich ist der politische Kontext positiver geworden, und wir sind sehr darauf gespannt, wohin uns diese Entwicklung führt.“

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