Belastung am laufenden Band

Branche

Bandförderer müssen schwerste Aufgaben unter harten Bedingungen ausführen. Der Hersteller Precismeca hat neuartige Verfahren entwickelt, um sicherzustellen, daß seine Produkte diesen Belastungen standhalten.Die Bandförderanlage eines Phosphatbergwerks muß unter Umständen 2.300 Tonnen pro Stunde 100 Kilometer weit durch die Wüste transportieren, wo die Temperaturen zwischen null Grad und 60 Grad Celsius schwanken und Sandstürme zum Alltag gehören.
In einem Kohlenbergwerk in Rußland wird von einem Bandförderer verlangt, 6.000 Tonnen pro Stunde bei Schneestürmen und Temperaturen zwischen 50 und 40 Grad Celsius zu transportieren.

    Förderanlagen, die Eisenerz in Malaysia transportieren, müssen diese Aufgabe bei extremer Luftfeuchtigkeit bewältigen.

    Schwierige Umgebungsbedingungen sind in der Fördertechnik ein Faktum. Trotzdem wird erwartet, daß Bandförderanlagen ständig in Betrieb sind, oft 24 Stunden am Tag über Jahre hinaus.

    Hans-Peter Schmidt, technischer Direktor des deutschen Unternehmens Precismeca-Montan, weltweit einer der führenden Hersteller von Bandförderern und Tragrollen, lächelt, als er Evolution einige Fotografien zeigt, die er auf seiner letzten Auslandsreise aufgenommen hat. Die Fotos zeigen eine nicht von Precismeca gebaute Förderanlage mit großen Problemen: Die Flansche haben sich von den Tragrollen gelöst und scharfe Kanten gebildet, die das Förderband aufgeschlitzt haben. Die Lager sind blockiert, und die Oberflächen der Tragrollen haben das Band aufgescheuert, so daß ein riesiges ovales Loch entstanden ist. Andere Teile sind von Säuren zerfressen, die bei der Herstellung verwendet werden. „Da sehen Sie, was passiert, wenn man billige Bauteile verwendet“, sagt Hans-Peter Schmidt. „Wenn dann die Probleme auftreten, kommen die Unternehmen zu uns. Wir müssen oft den Retter in der Not spielen.“

    Für Precismeca ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden sehr wichtig. Mit vier Fabriken (zwei in Deutschland, eine in Frankreich und eine in Kanada), Lizenzpartnern in Japan, Brasilien, Südafrika und Schweden sowie einem weltweiten Händlernetz, ist das Unternehmen in der Lage, einen engen Kontakt zu den Anwendern zu pflegen, ihre Probleme zu erkennen und diese zu lösen.
Seit 50 Jahren dabei

Das Unternehmen wurde Mitte der vierziger Jahre in Sulzbach nahe Saarbrücken gegründet und stellte damals Kolbenbolzen her. 1946 ging man dazu über, Tragrollen für die Förderanlagen der nahegelegenen Kohlenbergbauindustrie im Saarland und in Lothringen zu produzieren. Von da an war es nur ein kleiner Schritt bis zur Fertigung von Tragrollen und Trommeln für alle Arten von Förderern sowie von anderen Förderwerkkomponenten wie z.B. Girlandentragrollen und Stützen. Ende der fünfziger Jahre eröffnete Precismeca die Schwesterfabrik Precismeca S.A. in Frankreich.

    Precismeca Ltd. in Alberta (Kanada) wurde in den siebziger Jahren gegründet, nachdem plötzlich infolge der ersten weltweiten Ölkrise die Verwendung von Ölsand als Quelle für Rohöl drastisch zunahm, was wiederum die Nachfrage nach Bandförderern steigerte.

    Nach der Wiedervereinigung 1990 erhielt Precismeca die Gelegenheit, die Leipziger Montan GmbH aufzukaufen, einen führenden Hersteller von Förderanlagen, mit denen die osteuropäischen Länder beliefert wurden. Montan war in der früheren DDR stark in den Tagebau involviert. Heute lautet der vollständige Name des Unternehmens Precismeca-Montan Gesellschaft für Fördertechnik mbH.

    Der Markt für Fördererkomponenten umfaßt ein weites Spektrum, an dessen einem Ende sich einfache kleine Förderanlagen befinden, die nur wenige Spezialkenntnisse erfordern. Wie Carl-Heinrich Locnikar, der Verkaufsdirektor des Unternehmens, sagt, ist Precismeca auf diesem Gebiet nur ein Hersteller von vielen, obwohl es auch hier hohe Qualitätsanforderungen gibt. Nur ganz bestimmte Hersteller dürfen das Rohrmaterial liefern, aus dem die Tragrollen geformt werden. Sie müssen eine perfekte Rundung aufweisen, damit das Band gleichmäßig läuft. Die wartungsfreien Lager sind mit der Labyrinthdichtung von Precismeca abgedichtet, damit keine Schmutzpartikel von außen eindringen und den Betrieb der Lager beeinträchtigen können.

    Mit zunehmender Größe der Förderanlagen wird jedoch die Anzahl der Konkurrenten auf dem Markt immer geringer. Es gibt auf der ganzen Welt nur sechs Unternehmen, die Komponenten für Bandförderer mit einer Breite von mehr als drei Metern und einer Laufgeschwindigkeit von bis zu acht Metern pro Sekunde herstellen. Die Komponenten müssen äußerst präzise gefertigt werden. Tragrollen und Trommeln dürfen nur minimale Schwingungen und Unregelmäßigkeiten aufweisen.
Die Herstellung von Tragrollen für besondere Umgebungsbedingungen erfordert eine hochentwickelte Technik. Spezielle Dichtungen müssen verwendet werden, um die Lager vor äußeren Einflüssen zu schützen. Für die verschiedenen klimatischen Verhältnisse braucht man entsprechend angepaßte Schmierfette. Die Lager müssen so beschaffen sein, daß sie unterschiedliche Lasten oder auch von einem Verlader herunterfallende schwere Lasten bewältigen können, und die Oberflächen müssen für verschiedene Werkstoffe ausgelegt sein. Deshalb enthalten die Konstruktionsrechner des Unternehmens 15.000 verschiedene Tragrollenmodelle, erklärt Locnikar. Was die Trommeln betrifft, ist die Auswahl noch größer.

    Eben jene Vielfalt zu produzieren, die auf die Wünsche der Kunden abgestimmt ist, macht das Kernstück der Unternehmensphilosophie von Precismeca aus. Schon in einem frühen Projektstadium beginnen die Beratungen, um exakt festzulegen, was benötigt wird, und zwar nicht nur in bezug auf Precismeca-Produkte, sondern auch im Hinblick auf andere Faktoren wie z.B. Bandgeschwindigkeit, Bandform und Spannung des Bandes. Die Trommel ist von entscheidender Bedeutung. Wenn sie versagt, wird das Band mit seiner Last abgeworfen.

    Die Beratungen werden durch enge Kundenbeziehungen fortgesetzt. So hat Precismeca beispielsweise eine neue Tragrolle für das Bergbauunternehmen Rheinbraun entwickelt, die für den Einsatz im Braunkohletagebau vorgesehen ist. Die Tragrolle erfüllt die Anforderungen eines 24-stündigen Betriebs nahe der Abbaustätten, wie von Rheinbraun gewünscht. Durch die neue Tragrolle wird der Bandförderer um bis zu neun Dezibel leiser als mit den herkömmlichen Tragrollen. Die Oberfläche der Tragrolle wurde optimiert, aber noch bedeutender ist die Tatsache, daß jede Tragrolle individuell ausgewuchtet wird, um einen gleichmäßigen Lauf zu gewährleisten.

    Zudem kann Rheinbraun durch die neue Tragrolle ihre Kosten um 30 Prozent senken. Bisher verwendete Rheinbraun immer ziemlich große Lager, um einen Sicherheitsspielraum für einen reibungslosen Betrieb zu haben. Als Rheinbraun jedoch zusammen mit Precismeca die Ausfälle von Tragrollen analysierte, stellte sich heraus, daß diese selten auf fehlerhafte Lager, sondern viel öfter auf äußere Einflüsse wie das Eindringen von Schmutz und Staub zurückzuführen waren. Precismeca konnte deshalb die Größe der Lager reduzieren und verbesserte gleichzeitig die Qualität der Lagerdichtung, was insgesamt zu einer Kostensenkung führte.

    Precismeca ist, so gesehen, viel mehr als nur ein Hersteller von Förderanlagen. Das Unternehmen sieht sich als Partner bei der Entwicklung von technischen Lösungen für Massengut-Fördermittel.
Michael Lawton  
Wirtschaftsjournalist in Köln

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