Petra Einarsson, CEO von BillerudKorsnäs

Vorkämpferin

Petra Einarsson, CEO von BillerudKorsnäs, leitet ein Unternehmen, das für eine nachhaltige Zukunft arbeitet und herkömmlichen Verpackungslösungen den Kampf ansagt hat. Wichtige Elemente dieser Strategie sind Innovation und Service.

Text Erik Aronsson
Foto Tobias Ohls

Zellstoff und Papier

Der Great Pacific Garbage Patch (Großer Pazifischer Müllteppich) ist die größte von fünf Plastikmüll-Ansammlungen in den Weltmeeren. Der Müllteppich befindet sich auf halber Strecke zwischen Hawaii und Kalifornien und erstreckt sich über circa 1,6 Millionen Quadratkilometer, eine Fläche von der dreifachen Größe Frankreichs. Auf jeden Quadratkilometer entfallen zehn Kilogramm Plastik.

Petra Einarsson

Alter: 51
Wohnt: unter der Woche in Solna bei Stockholm, und an den Wochenenden in Torsåker in Mittelschweden
Familie: Ehemann und zwei Töchter
Freizeitinteressen: Pferde, Skifahren und andere Outdoor-Aktivitäten
Persönliches Motto: Sicherheit zuerst. „Es ist meine feste Überzeugung, dass man als CEO die oberste Verantwortung für die Sicherheit am Arbeitsplatz trägt.“

Nach Schätzungen von Ocean Cleanup, einer gemeinnützigen Organisation, die moderne Verfahren zur Säuberung der Weltmeere von Plastikmüll entwickelt, werden jedes Jahr zwischen 1,15 und 2,41 Millionen Tonnen Kunststoff über Flüsse in den Ozean geschwemmt. Mehr als die Hälfte davon hat eine geringere Dichte als Wasser. Das heißt, die Partikel schwimmen bei Eintritt ins Meer an der Oberfläche. Sie werden immer weiter hinausgetrieben und sammeln sich durch Strömungswirbel in einigen Meeresregionen an. Dort verdichten sie sich zu den gigantischen Müllteppichen.

In allen Teilen der Welt laufen Initiativen, um Meere, Seen und Flüsse von Kunststoffmüll zu säubern. Aber langfristig lässt sich das Problem nur lösen, wenn Plastikteile gar nicht erst in die Wassersysteme gelangen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sind kunststofffreie Verpackungen.

BillerudKorsnäs in Schweden arbeitet unter der Leitung von Petra Einarsson gegen die Verwendung von Kunststoff für Verpackungen. Das Motto des Unternehmens lautet: „Für eine nachhaltige Zukunft – gegen konventionelle Verpackungen“. Es war dieses Konzept, das 2017 Einarssons Interesse weckte, als BillerudKorsnäs sie für den Posten als CEO gewann.

„Mich reizte der Gedanke, für ein Unternehmen zu arbeiten, bei dem Nachhaltigkeit nicht nur Teil einer Strategie, sondern die Geschäftsidee an sich ist“, erklärt Einarsson.

Der Gedanke, für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen Geschäftsidee Nachhaltigkeit ist, reizte Petra Einarsson.

Der Gedanke, für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen Geschäftsidee Nachhaltigkeit ist, reizte Petra Einarsson.

Als Petra Einarsson zu BillerudKorsnäs kam, brachte sie nach rund 30 Jahren Tätigkeit beim schwedischen Hightech-Maschinenbauer Sandvik umfassende Erfahrungen aus der Fertigungsindustrie mit. Im Sandvik-Konzern hatte sie Positionen wie Leiterin der Finanzabteilung, Produktbereichsleiterin für nahtlose Rohrprodukte und CEO des Geschäftsbereichs Sandvik Materials Technology bekleidet.

BillerudKorsnäs entstand im November 2012 durch den Zusammenschluss der Unternehmen Billerud und Korsnäs. Durch die Fusion kamen in dem neuen Unternehmen über 150 Jahre Erfahrung aus der Forst- und Papierindustrie zusammen. BillerudKorsnäs konzentriert sich auf nachhaltige Verpackungsmaterialien wie weltweit führende Papier- und Kartonprodukte und -lösungen, die die Rentabilität der Kunden steigern und gleichzeitig die Umweltbelastung insgesamt verringern.

Als Einarsson im Januar 2018 den Posten als CEO antrat, gab es jedoch zunächst einmal einige praktische Probleme. BillerudKorsnäs investiert zurzeit im Gruvön-Werk rund 700 Millionen Euro in eine neue Kartonmaschine. Es ist die bislang größte Investition des Unternehmens. Die Bauarbeiten gestalteten sich aufgrund komplizierter geologischer Verhältnisse schwieriger als erwartet, aber die neue Maschine konnte im Mai 2019 in Betrieb genommen werden.

„Mit dem Abschluss dieser Investition werden wir hervorragend aufgestellt sein, um die Marktchancen zu ergreifen und der hohen Nachfrage nach umweltverträglichen Verpackungen gerecht zu werden“, sagt Einarsson.

Innovation ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie von BillerudKorsnäs.

„Wir möchten unsere Innovationsquote verbessern und in allen Bereichen unseres Unternehmens die Bemühungen zur Einführung neuer Materialien verstärken.“

Quote Ich hoffe, dass ich ein Vorbild für junge Frauen sein kann, die in der Fertigungsindustrie arbeiten wollen und eine Führungsposition anstreben.
Petra Einarsson, CEO von BillerudKorsnäs

Ein Beispiel dafür ist eine Forschungsinitiative von BillerudKorsnäs, um Kartonverpackungen in Energiespeicher zu verwandeln.

„Damit werden unsere Verpackungslösungen noch intelligenter, weil Verpackungen auf diese Weise besser mit ihrem Umfeld,kommunizieren‘ können“, fährt Einarsson fort. „So lassen sich etwa beim Transport von medizinischen Produkten die Lagerungsbedingungen kontrollieren, um sicherzustellen, dass die Produkte in jeder Phase der Lieferkette bei der richtigen Temperatur aufbewahrt werden. Darüber hinaus können Sendungen in Echtzeit verfolgt werden.“

BillerudKorsnäs will zudem nicht mehr nur Verpackungen, sondern komplette Verpackungslösungen bereitstellen.
„Durch die Einrichtung einer Abteilung, die sich ausschließlich mit Verpackungslösungen befasst, wollen wir bereits existierende Ansätze und Geschäftsmodelle ausbauen und neue Konzepte entwickeln.”

Petra Einarsson arbeitet seit langem in männerdominierten Branchen. Auch die Positionen, die sie bekleidet hat, sind oft Männern vorbehalten. Sie sei aber als Frau nie auf Probleme gestoßen, versichert sie:

„Ich versuche, die Menschen so zu sehen, wie sie sind, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Rasse oder anderer irrelevanter Faktoren. So ist man auch mir in meinem Berufsleben immer begegnet.“

Ansprechpartner Verkauf

evolution@skf.com

Einarsson fährt fort: „Ich halte es jedoch für wichtig, dass die Fertigungsindustrie die Vielfalt am Arbeitsplatz in puncto Gender und Herkunft aktiv fördert. Das ist notwendig, um in Zukunft die größten Talente rekrutieren zu können und die Kompetenz in der Branche auf einem hohen Niveau zu halten.“

Im November letzten Jahres ernannte die schwedische Ruter Dam Stiftung, die sich für die Förderung weiblicher Führungskräfte in schwedischen Unternehmen einsetzt, Petra Einarsson zur „Ruter Dam 2018“ (Karodame 2018).

„Ich hoffe, dass ich ein Vorbild für junge Frauen sein kann, die in der Fertigungsindustrie arbeiten wollen und eine Führungsposition anstreben“, schließt sie.

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