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Indien im Aufwind

Der indische Unternehmensleiter Ramesh Kymal sieht in der Windkraft die Lösung für die Energiekrise seines Landes.

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Fakten

Der Beitrag von SKF
SKF gehört in Indien ebenso wie weltweit zu den Hauptlieferanten von Gamesa. 2010 eröffnete SKF eine Großlagerfabrik im indischen Ahmedabad, die auch die Lager für die Hauptwellen der 850-kW- und 2-MW-Turbinen von Gamesa India fertigt. Darüber hinaus beliefert SKF das Unternehmen mit Kupplungen, Schmiersystemen und Drehverbindungen.

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Indien, das Land mit dem weltweit schnellsten Wirtschaftswachstum, steht vor einem möglichen Energiedefizit von mehr als zehn Prozent. Für Ramesh Kymal, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Gamesa Wind Turbines (P) Ltd, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der in Spanien ansässigen Gamesa Group, liegt die Lösung auf der Hand: Indien braucht Windenergie. „Wir haben kaum Bodenschätze“, sagt er. „Wir haben nicht genügend Kohle von guter Qualität, und wir haben weder Erdöl noch Erdgas. Das heißt, wir sind von Importen aus dem Ausland abhängig.“

Kymal, seit 19 Jahren in der Branche tätig, ist auch Vorsitzender des indischen Verbandes der Windturbinenhersteller. Er sieht im Ausbau der Windenergie einen Weg, um das Land von ausländischen Energielieferungen unabhängiger zu machen. „Wir haben der indischen Planungskommission ein Memorandum vorgelegt, dem zufolge wir in den kommenden zehn Jahren 70.000 Megawatt aus Windkraft erzeugen könnten“, erklärt er. „Wir schätzen das Potenzial in Indien auf 200.000 bis 600.000 Megawatt. Heute werden nur 16.000 Megawatt produziert. Mit anderen Worten: Das Potenzial ist riesig.“

Gamesa Wind Turbines ist ein vielversprechender Player auf dem indischen Energiemarkt. In weniger als drei Jahren ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von elf Prozent an vierte Stelle gerückt und ist bereits Anwärter für den dritten Platz. „Bis zum Ende des Jahres sind wir hoffentlich die Nummer zwei“, kommentiert Kymal. Innerhalb der Gamesa Group steht Indien mittlerweile für rund  20 Prozent der vom Konzern weltweit verkauften Energiemenge. Man rechnet damit, dass dieser Anteil auf 30 Prozent steigen wird.

Kymal schreibt einen Großteil von Gamesas Erfolg in Indien der Bereitschaft des Unternehmens zu, für die Bedarfsdeckung vor Ort örtliche Kompetenzen einzusetzen statt ein globales Einheitskonzept zu verwenden. Als Gamesa Anfang 2009 an ihn herantrat, bot man ihm an, ihm beim Aufbau der lokalen Organisation von Anfang an freie Hand zu lassen, um die Produkte an indische Bedürfnisse anpassen zu können.

„Anders als andere Märkte, die ausschließlich preisbewusst sind, ist der indische Markt wertbewusst, was die Sache etwas komplizierter macht, aber unter Geschäftsaspekten auch weitaus interessanter“, stellt  Kymal fest. „Es geht nicht darum, etwas Billiges bereitzustellen, sondern etwas, das in allen Stufen der Wertschöpfungskette einen Mehrwert bietet. Zuverlässigkeit ist natürlich der wichtigste Faktor dabei, und die ist nur gewährleistet, wenn die Qualität stimmt und man einen guten Backup-Service hat.“

Gamesa Wind Turbines hat über 1.000 Mit­arbeiter, und etwa 40 Prozent davon sind Service-Techniker. „Die erste Turbine verkauft man durch Marketing“, meint Kymal. „Die zweite, dritte und vierte dagegen durch guten Service.“

Ganz oben auf Kymals Tagesordnung steht auch die Stärkung der Innovationskraft und Produkt­entwicklung vor Ort. Kürzlich wurde in Chennai, dem Hauptsitz von Gamesa India, ein F&E-Zentrum eingeweiht. Für seine Lieferkette wählt Gamesa ebenfalls bevorzugt lokale Lieferanten. Ein Jahr, nachdem sich das Unternehmen in Indien niedergelassen hatte, bezog man 40 Prozent aller Bauteile von örtlichen Anbietern. Kymals Ziel ist es, diesen Anteil auf 70 Prozent zu steigern. Abgesehen davon, dass Wechselkursrisiken und Importzölle vermieden werden, bringen kürzere Transportwege auch Umweltvorteile mit sich. „Wir halten unsere CO2-Bilanz genau im Auge. Das heißt, wir versuchen, unsere Bauteile möglichst aus der näheren Umgebung zu beziehen“, fährt Kymal fort.

Das Windenergiepotenzial in Indien auszu­schöpfen, erfordert wie überall in der Welt, die politischen und wirtschaftlichen Akteure von dem Nutzen zu überzeugen und – wie er sagt – die Öffentlichkeit zum Umdenken zu bewegen. Gamesa India führte deshalb vor kurzem eine Kampagne durch, um das Bewusstsein für Windenergie und deren Vorzüge zu erhöhen. „Wir müssen die Allgemeinheit erreichen, die immer noch denkt, Wind sei etwas sehr intellektuelles“ schließ Kymal.