lido

Neues Leben für das Lido

Das berühmte Pariser Cabaret Lido nahe dem Triumphbogen benötigte für seine spektakulären Shows eine aufwändige neue Bühnenkonstruktion.

Text Anna McQueen Fotos SKF, Audrey Bardot & fancyfeather.com

Konstruktion Andere Industrien Rollenschrauben

Fakten

Hochgeschraubt
SKF stellte für COMÈTE vier Planetenrollen­gewindetriebe von acht Metern Länge bereit, einen für jede Ecke der Bühnen­konstruktion. Mit einem Gewicht von jeweils 700 Kilogramm gehören sie zu den längsten Rollengewindetrieben, die SKF Transrol im franzö­sischen Chambéry je gefertigt hat.

COMÈTE INDUSTRIE
COMÈTE Industrie, Sitz in Anthon nahe Lyon
Spezialist für Hub- und Förderlösungen
Gegründet 1970.
Beschäftigt 75 Mitarbeiter
Umsatz 2012: 14 Millionen Euro
Teil der Fayat Gruppe.
Zu den Kunden zählen EDF, SNCF,
Airbus, Rhône-Poulenc, Aventis,
Vinci und Bouygues.
www.comete.fayat.com

Ansprechpartner Verkauf

Lionel Dumas, Lionel.Dumas@skf.com

Das Lido, das berühmte Cabaret an der Champs-Élysées, ist eine Pariser Legende. Seit fast 70 Jahren wird das Revue-Theater für seine exotischen prächtigen Shows mit den spärlich bekleideten Bluebell Girls sowie die Auftritte großer Gesangsstars und anderer Künstler gefeiert. Im Pariser Nachtleben ist das Lido der Inbegriff von Glitzer und Glamour.

Alle paar Jahre präsentiert das Lido eine neue Show. Die jüngste Revue, die im April 2015 Premiere feierte, stammt von dem Eventgestalter und Regisseur Franco Dragone, dem künstlerischen Leiter des Cirque du Soleil. Vorausgegangen war eine umfassende Renovierung des Theaters, bei der die Bühnenkonstruktion komplett erneuert wurde, um die Sicherheit zu verbessern und neue Möglichkeiten für noch mehr Magie auf der Bühne zu schaffen.

„Im Dezember 2012 wandte sich das Lido an uns mit der Bitte, eine Konstruktion für eine versenkbare Bühne zu konzipieren“, erklärt Michaël Frument, technischer und kaufmännischer Direktor bei COMÈTE Industries, einem Spezialisten für  Hub- und Förderlösungen mit Sitz nahe der französischen Stadt Lyon.

„Die Konstruktion umfasst zwei Bühnen, eine 50 Quadratmeter große Eisfläche und einen 80-Kubikmeter-Pool. Alles soll jederzeit nach Bedarf hochgefahren und wieder versenkt werden können. Wir hatten noch nie zuvor einen Mechanismus für ein Revue-Theater entwickelt. Deshalb war das für uns eine besondere Herausforderung.“

Der alte Hydraulikmechanismus der Bühne stammte aus den 1950er Jahren und wies Verschleißerscheinungen auf. Er war schwer zu handhaben und mehrmals modifiziert worden, um den Betrieb zu vereinfachen.

Hinzu kam, dass er die strengen Sicherheitsstandards zum Schutz der Künstler nicht mehr erfüllte. „Eine der größten Schwierigkeiten bestand darin, eine reibungslose und ­präzise elektro­mechanische Lösung für einen solch begrenzten Raum zu schaffen“, erinnert sich Frument. „Die Bühnenmaschinerie nimmt 9,5 x 7,5 Meter ein und reicht zehn Meter unter den Zuschauerraum, aber das Theater hat eine ziemlich geringe Deckenhöhe. Wir hatten also nicht viel Spielraum.“

ComÈte entschied, die geplante Lösung zunächst im eigenen Werk zu errichten, um sie testen zu können. Zwischen Juni und November 2014 baute das Unternehmen einen Schiebebühnen-Mechanismus, der von vier 75-Kilowatt-Motoren – einem in jeder Ecke der Konstruktion – angetrieben und von vier SKF Planetenrollengewindetrieben mit einer Länge von acht Metern gehoben wird. Die einzelnen Ebenen der Bühnenkonstruktion werden unter den Zuschauerraum geschoben, wenn sie nicht im Einsatz sind.

COMÈTE weiß, was Präzision bedeutet. „Da wir ziemlich viel für die Atomindustrie arbeiten, sind wir auf Sicherheit und Zuverlässigkeit gedrillt“, meint Frument. „In dieser Branche kann man sich keine Fehler leisten.“ COMÈTEs Bühnenlösung ist ein Musterbeispiel für diese Präzision: Die Pool-Ebene wiegt 140 Tonnen und fügt sich dennoch mit einer Toleranz von drei Millimetern perfekt in die Konstruktion ein.

Nachdem die Schiebebühne komplett zusammengebaut und umfassend getestet worden war, stand der Transport nach Paris an. Zu diesem Zweck wurde sie wieder zerlegt, in 170  Kartons verpackt und auf 25 Lastwagen zum Lido gebracht.

Die letzte Vorstellung auf der alten Bühne fand am 3. Dezember 2014 statt. Danach wurde das Revue-Theater zur Baustelle.  Anfang März sollten die Proben für die neue Show beginnen.

„Angesichts des engen Zeitfensters mussten wir extrem gut vorbereitet sein“, kommentiert Frument. „Tatsächlich waren wir ein ganzes Jahr mit Planen und Proben beschäftigt. Für die Montage hatten wir 21 Tage angesetzt, aber wir schafften es in 17. Das war ein großer Erfolg. Außerdem mussten wir vor Ort keine Änderungen mehr vornehmen, weil wir schon alles im Werk getestet hatten.

Die Leitung des Lido ist von der neuen Show begeistert. „Das Lido ist ein legendäres und renommiertes Revue-Theater, das schon seit 1946 das Publikum begeistert“, sagt der Geschäftsführer, Hervé Duperret. „Über 300 Mitarbeiter sorgen jeden Abend dafür, dass sich der Vorhang für eine weitere magische Show hebt. Wir haben hier eine einzigartige Maschinerie. Die neue Revue, Paris Merveilles, wird noch lange laufen – zur Freude von fast einer halben Million Menschen, die jedes Jahr das Lido besuchen.“

Die neue Bühne wurde erstmalig im April 2015 in Betrieb genommen. Michaël Frument (links), technischer und kaufmännischer Leiter bei COMÈTE Industries, sowie Deborah Sulot und Lionel Dumas, Großkundenbetreuer bei SKF Frankreich. SKF stellte für COMÈTE vier Planetenrollen­gewindetriebe von acht Metern Länge bereit, einen für jede Ecke der Bühnen­konstruktion. Der Kronleuchter über der Bühne besteht aus 40.000 Glasperlen.  Die Maschinerie der neuen Bühne nimmt 9,5 x 7,5 Meter ein und reicht zehn Meter unter den Zuschauerraum.  Detail der Konstruktionsskizze.

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