Zellstoff Celgar

Energie aus Abfall

Bei der Papier- und Zellstoffindustrie denkt man oft an qualmende Schornsteine, verschmutzte Flüsse und Kahlschläge. Ein kanadisches Unternehmen setzt sich jedoch intensiv dafür ein, den Ruf der Branche zu verändern. Mercer International betreibt drei der weltweit umweltfreundlichsten Fabriken für gebleichten Langfaserzellstoff, darunter Zellstoff Celgar außerhalb der Stadt Castlegar in British Columbia.

Text Stephanie Johansson Foto Peter Moynes

Zustandsüberwachung Zellstoff und Papier Zuverlässigkeit

Fakten

Maßgeschneiderte zustandsabhängige Instandhaltung von SKF

Seit 2006  unterstützt SKF mit ihrem Serviceangebot für das Betriebsmittelmanagement Zellstoff Celgar bei der Steigerung der Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit von kritischen Maschinen und Anlagen.

„Früher wurde hier vorbeugende Instandhaltung betrieben, aber die ist teurer als zustandsabhängige Instandhaltung“, erklärt José Rabell, Projektleiter PdM Services. „Die Schmierfristen wurden nach zeitlichen Kriterien festgelegt und folgten einem bestimmten Schema. Was geschehen würde, wusste man nicht. Heute misst man die Schwingungs­werte und schmiert bei Bedarf.“

Über 70 SKF Einheiten sind in der Zellstofffabrik von Celgar im Einsatz: Online-Systeme mit drahtlosen Geräten, kabelgebundene Einheiten, mobile Lösungen und Schutz­systeme an den Turbinen. Die SKF @ptitude-Software verarbeitet und analysiert täglich rund 250.000 Messwerte als Entscheidungshilfe.
2012 erreichte Celgar unter anderem dank der Service- und Supportleistungen von SKF einen in der Branche beispiellosen Erfolg: null ungeplante Betriebsunterbrechungen.

@ptitude ist ein eingetragenes Marken-zeichen der SKF Gruppe

 

Links

Zellstoff Celgar

Ansprechpartner Verkauf

Walter Del Degan, Walter.Del.Degan@skf.com

Im Westen Kanadas ist Zellstoff Celgar nicht nur gleichbedeutend mit hochwertigem Kraftzellstoff für verschiedene Tissue-Produkte und Schreibpapier, sondern auch mit Bioenergie.

Das Werk verwendet für die Zellstoffherstellung Restfasern, also Holzabfälle. Sie werden in einem Kocher so lange gekocht, bis sich das Lignin löst, das die Holzfasern zusammenhält. Die Hälfte der Lauge wird zu Zellulose für die Papierherstellung verarbeitet und die andere Hälfte ist Schwarzlauge  – im Grunde ein Biokraftstoff.  Durch Verbrennung dieser Schwarzlauge in dem modernen Rückgewinnungskessel der Fabrik wird erneuerbare Bioenergie erzeugt.

Holz gilt als CO2-neutral. Deshalb wird aus Holz erzeugte Energie anders als die aus nicht erneuerbarer Kohle hergestellte Energie als umweltfreundlich angesehen.

„Wir produzieren Bioenergie schon seit  1961, als das Werk in Betrieb genommen wurde“, sagt Ralph Lunn, Leiter der Prozesstechnik bei Zellstoff Celgar. „Bei der Zellstoffherstellung wird das freigesetzte Lignin rückgewonnen und in einem Kessel verbrannt. Der dabei erzeugte Dampf treibt eine Turbine an, die Strom oder Bioenergie erzeugt. Als die Fabrik 1993 im Zuge eines beträchtlichen Kapazitätsausbaus ihre Produktion von rund 600 auf 1.200 Tonnen pro Tag erhöhte, nahm auch die Menge an rückgewonnenem und verbranntem Lignin im gleichen Maße zu.“

Lunn ist schon seit 1992 in der Fabrik beschäftigt und heute für den Bereich Bioprodukte, F&E und Energie zuständig. Er hat unmittelbar miterlebt, welche Investitionen im Laufe der Jahre zur Steigerung der Produktion und damit der Bioenergieerzeugung getätigt worden sind. Mehrere Jahre lang verfügte die Fabrik nicht über die nötige Turbinenkapazität, um den zusätzlich erzeugten Dampf zu nutzen. Er wurde einfach in die Atmosphäre abgelassen. Dieser Zustand sollte sich 2010 ändern. Um mehr Bioenergie produzieren zu können, wurde eine neue Turbine installiert. Das war der Startschuss für das Green Energy Project.

„Das 61 Millionen Dollar (53 Millionen Euro) teure Projekt umfasste die Installation eines zweiten Turbosatzes mit einer Auslegungskapazität von 48 Megawatt, womit sich die installierte Kapazität der Fabrik auf 100 Megawatt erhöhen würde. Hinzu kam die Modernisierung des Rindenkochers und der Dampfanlagen“, erklärt Lunn.

Durch die Investition wurde die Anlage Celgars zur größten ihrer Art in Kanada.

Finanziert wurde das Projekt von Mercer International, der Muttergesellschaft von Celgar, sowie von der kanadischen Regierung über das staatliche Pulp and Paper Green Transformation Program, das Investitionsprojekte zur Einsparung oder Erzeugung von Energie und Reduzierung der Umweltbelastung unterstützt.

Celgar schloss zu dem Zeitpunkt auch mit dem örtlichen Energieversorger BC Hydro einen auf zehn Jahre befristeten Elektrizitätsabnahmevertrag ab, um seine überschüssige Energie zu günstigen Ökotarifen zu verkaufen. Die Zellstofffabrik erzeugt jährlich rund 520.000 Megawattstunden Strom, verbraucht aber selbst nur circa 340.000 Megawattstunden. Der Rest wird in das Netz von BC Hydro eingespeist und versorgt über 16.000 Haushalte mit Strom.

Lunn zufolge wird die Turbinenkapazität der Fabrik von insgesamt 100 Megawatt zurzeit nur mit etwa 65 Megawatt ausgeschöpft. Es besteht also noch weiteres Energiepotenzial.

„Dafür muss entweder mehr Dampf produziert, weniger Dampf im Werk verbraucht oder beides kombiniert werden“, fährt Lunn fort. „Wir suchen ständig nach Wegen, um Dampf einzusparen. Eine Steigerung der Dampferzeugung ist wahrscheinlich ein kapitalintensiveres Vorhaben.“

Bei Celgar fallen in der Zellstoffproduktion verschiedene Nebenprodukte an, die Lunn und seine Kollegen zurzeit auf eine mögliche Verwertbarkeit hin untersuchen. Dazu gehören Flugasche aus dem Holzverbrennungskessel, Methanol aus Kondensaten und Terpentin aus der Schwarzlauge.

Als umweltbewusstes Unternehmen denkt Celgar in allen Bereichen der Wertschöpfungskette nachhaltig. Das Unternehmen stellt strenge Anforderungen an seine Zulieferer und akzeptiert nur zertifiziertes Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Celgars Produktionseffizienz und Operational Excellence belegen die Zertifizierungen nach ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ISO 14001 (Umweltmanagement). In Zusammenarbeit mit der Transportindustrie setzt sich Celgar außerdem aktiv dafür ein, seinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Obwohl Zellstofffabriken immer noch als Umweltsünder gelten, hofft das Celgar-Team, dass die Bemühungen des Unternehmens um Aufklärung der Öffentlichkeit und Schärfung des Bewusstseins die Denkweise verändern werden.

„Der weiße ,Rauch’, der aus den Schornsteinen kommt, ist zum größten Teil Wasserdampf. Das sollte man wissen“, betont Lunn. „Alles andere wird verschiedenen Reinigungsverfahren unterzogen, um die Schadstoffemissionen zu minimieren und die strengen Umweltauflagen der Fabrik zu erfüllen.“

Die Evolution iPad-App zum Herunterladen bietet unter anderem ein Video über den Einsatz von SKF bei Zellstoff Celgar.

 

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