Industrie

Anlageneffizienz nach Maß

Seit das Wirtschaftswachstum in China und dadurch auch die Stahlnachfrage nachgelassen hat, sucht die Stahlindustrie des Landes nach neuen Wegen zur Senkung der Produktionskosten. Evolution hat Rizhao Steel besucht.

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Zusammenfassung

SKF Integrated Maintenance Solution

Betriebs- und Instandhaltungskosten einer Industrieanlage stehen für rund 45 Prozent der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership = TCO). In der Stahlindustrie ist es besonders wichtig, die Lebenszykluskosten einer Anlage zu ermitteln, vor allem, wenn es sich um kritische Bereiche wie Walzwerke handelt, in denen Ausfälle nicht toleriert werden können.
Eine SKF Integrated Maintenance Solution (IMS) reduziert die TCO einer Anlage in jeder Phase ihres Lebenszyklus. Der erste Schritt ist die Analyse. Dabei werden die wichtigsten Prozesse und Verfahren sowie der Bedarf nach kulturellen Veränderungen identifiziert. Der nächste Schritt ist die Reduzierung von Kosten im Zusammenhang mit dem Beschaffungs-, Liefer- und Lagermanagement. In enger Zusammenarbeit mit seinen Vertragshändlern senkt SKF Transaktionskosten, setzt in Lagerbeständen gebundenes Kapital frei und sorgt dafür, dass Ersatzteile zur Verfügung stehen und bei Bedarf lieferbar sind.
Anschließend wird eine Wartungs- und Instandhaltungsstrategie konzipiert. Sämtliche Wartungs- und Instandhaltungsaspekte lassen sich zur Steuerung und Überwachung der Abläufe in das EAM- beziehungsweise CMMS-System (EAM = Enterprise Asset Management, CMMS = Computerized Maintenance Management System) integrieren.
Im Rahmen eines definierten Prozesses, der auch Zustandsüberwachungsmaßnahmen und eine Fehlerursachenanalyse umfasst, wird ein Proactive Reliability Maintenance-Programm (PRM) eingeführt, das Verbesserungsziele, auch leistungsbezogene Schlüsselkennzahlen oder KPIs genannt, festlegt.
Wo möglich werden Maschinen und Anlagen technisch aufgerüstet, um ihre Leistung zu steigern. Instandhaltungsmaßnahmen, die besondere Präzision erfordern, wie Laserausrichtung, Rotorauswuchtung und kritische Lagerinstallationen können von SKF Fachkräften durchgeführt werden. Das Wartungs- und Instandhaltungspersonal wird außerdem durch Schulungen kontinuierlich auf den neuesten Stand gebracht.

Links

Rizhao Steel

SKF Integrated Maintenance Solutions

Ansprechpartner Verkauf

Thomas Fang, Thomas.Fang@skf.com

Nach Angaben der World Steel Association werden rund 50 Prozent der weltweiten Stahlproduktion im Bauwesen verwendet. Damit ist dieser Sektor der größte Stahlverbraucher. China ist der weltgrößte Stahlproduzent und konsument. Für die chinesische Stahlindustrie war 2012 jedoch ein hartes Jahr. Im ersten Halbjahr verzeichnete die Branche einen Gewinneinbruch um 96 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das chinesische Stahlunternehmen Rizhao Steel an Chinas Ostküste weiß, dass man in Zeiten rückläufiger Nachfrage durch Steigerung der Anlageneffizienz eine Menge Geld sparen kann.

Rizhao begann damit schon 2007, als sich das Unternehmen mit SKF zusammenschloss und für sein wichtigstes Stahlwerk, das Walzwerk für Doppel-T-Träger, einen IMS-Vertrag (IMS = SKF Integrated Maintenance Solution) abschloss.

SKF knüpfte das Projekt an die leistungsbezogene Schlüsselkennzahlen (KPI = Key Performance Indicator) auf der Basis von Rizhaos eigenen Geschäftsstrategien.
„Für uns war es das erste Projekt in der Metallindustrie, das auf KPIs basierte“, meint Liang Dong, Leiter Asset Management Services bei SKF China „Dank der KPIs können wir den Kunden davon überzeugen, dass die Unterzeichnung eines Vertrags mit uns keine Risiken in sich birgt. Wir leiten das Projekt von Anfang bis Ende, bewerten es, überwachen es und legen dann die Ergebnisse vor.“

„Der IMS-Vertrag mit SKF ist für uns ein Pilotprojekt“, erklärt Wei Li-hua, stellvertretender Direktor von Rizhao und verantwortlich für das Anlagenmanagement. „Er verlangt von beiden Seiten eine enge Zusammenarbeit, um neue Managementkonzepte und Denkweisen zu finden, die es ermöglichen, optimale Ergebnisse und Vorteile für unser Geschäft zu erzielen.“

Der auf vier Jahre befristete Vertrag umfasste unter anderem ein rechnergestütztes Instandhaltungsmanagement-System (Computerized Maintenance Management System = CMMS), die Installation von 450 permanenten Sensoren, einen Prozess zur Fehlerursachenanalyse (RCFA), Schulungsmaßnahmen und  Unterstützung bei der Verbesserung der Maschinenzuverlässigkeit.

Für Rizhao zahlte sich die Investition wirklich aus. Die ungeplanten Betriebsunterbrechungen, die 2007 noch bei 911 Minuten pro Monat lagen, waren 2011 auf 77 Minuten pro Monat zurückgegangen, und die Ersatzteilkosten pro Tonne Stahl waren um 48 Prozent gesunken. „Solche phantastischen Ergebnisse können wir nur erreichen, weil wir mit dem Kunden zusammenarbeiten und Innovationen gemeinsam durchführen“, sagt Dong. „Ohne das Mittun des Kunden geht das nicht.“

Rizhao hat den Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert und will nun den Erfolg des Walzwerks für Doppel-T-Träger auf andere Bereiche des Unternehmens übertragen. So arbeitet SKF zurzeit zusammen mit Rizhao an Maschinenkonstruktionen und hilft beim Aufbau einer völlig neuen Produktionslinie auf der Grundlage der aus dem IMS-Projekt gewonnenen Erkenntnisse.

Für Dong ist das bisher Erreichte nur der Anfang. „Wir werden diesen Erfolg bei anderen Kunden und Segmenten, zum Beispiel im Bereich Energieerzeugung, wiederholen, damit wir verschiedene erfolgreiche Beispiele vorweisen können“, meint er.

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