Industrie

Riesenmühle

Allied Mills verarbeitet riesige Mengen Weizen zu Mehl und beliefert britische Bäckereien mit einem Produkt von konstant hoher Qualität. Die Mühlen laufen rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche. Ungeplante Stillstände kann sich das Unternehmen nicht erlauben.

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Allied Mills verarbeitet riesige Mengen Weizen zu Mehl und beliefert britische Bäckereien mit einem Produkt von konstant hoher Qualität. Die Mühlen laufen rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche. Ungeplante Stillstände kann sich das Unternehmen nicht erlauben.

Wirtschaft

Im Tilbury Dock im Londoner Hafen steht Duncan Lawson vor einem gigantischen Silo. Er trägt eine Baseballkappe und eine fluoreszierende gelbe Jacke. Als Group Engineering Manager bei Allied Mills wäre Lawson früher für Dutzende von Mitarbeitern zuständig gewesen. Heute überwacht er lediglich 15 Techniker in drei Werken. Ihre Aufgabe ist es, die Mühlen instandzuhalten, die fast ein Viertel der gesamten Mehlproduktion Großbritanniens bereitstellen.

Wie Lawson erklärt, kauft die Einkaufsabteilung den Weizen Monate im Voraus in verschiedenen Teilen der Welt ein. Sobald er angeliefert wird, beginnt die harte Arbeit.

Die einzelnen Weizensorten haben nicht nur einen unterschiedlichen Proteingehalt, sondern auch verschiedene rheologische Eigenschaften. „Um Weizen zu Brotmehl zu verarbeiten“, führt Lawson aus, „müssen Proteingehalt und Eigenschaften stimmen.“ Die Kunst des Produktionsleiters besteht darin, die Qualität der verschiedenen Weizenkornmischungen mit ihrem jeweiligen Proteingehalt und die Produktkosten im Gleichgewicht zu halten. Eine optimale Zusammensetzung des Mahlguts erfordert ein hohes Maß an Kompetenz.

„Das Mahlgut sieht je nach Endprodukt anders aus“, sagt er. „Unsere beiden Hauptprodukte sind Weißbrot- und Vollkornmehl. Wir verwenden auch Hartweizen und machen daraus Gries für hochwertige Nudelprodukte.“ Jede Weizensorte wird in einem separaten Silo gelagert, aber am Ende durchlaufen sie alle mehr oder weniger den gleichen Prozess.

Auf den mehrstufigen Reinigungsprozess folgt das eigentliche Vermahlen. Die Rillen, Zähne und glatten Flächen der Walzenmühlen zerstoßen und zerreiben den Weizen, und Sichter sieben ihn mechanisch zu Mehl. Die Art des fertigen Produktes hängt von der Konfiguration der jeweiligen Walzenmühle und Sichteranlage ab.

„Der gesamte Prozess erfordert Fingerspitzengefühl“, meint Lawson. „Der verantwortliche Müller [der heute Produktionsleiter genannt wird] spielt dabei eine wesentliche Rolle. Er misst elektronisch den Feuchtigkeits- und Proteingehalt und passt ihn exakt an die Vorgaben des gewünschten Endprodukts an. Außerdem muss er dafür sorgen, dass seine Online-Systeme den Prozess komplett überwachen.“

Das so hergestellte Basismehl wird nun nach den Spezifikationen des Kunden gemischt und in Großtanks gefüllt. Der Löwenanteil geht an Allied Bakeries, ebenso wie Allied Mills im Besitz von Associated British Foods. Allied Bakeries produziert eigenes Brot zum Beispiel unter der Marke Kingsmill. „Wir liefern auch fertige, nach Kundenvorgaben zusammengestellte Mehlprodukte an private Handelsunternehmen, die nicht zur Associated British Foods Gruppe gehören“, so Lawson.

Philip Beach, Geschäftsführer bei Allied Mills, meint dazu: „Obwohl viele Menschen behaupten, sie mögen am liebsten knuspriges, dunkles Brot, ist geschnittenes abgepacktes Weißbrot immer noch das in Großbritannien am meisten verkaufte Brotprodukt. Vollkornmehl ist nach wie vor ein Nischenprodukt. Um spezielle Wünsche erfüllen zu können, kaufen wir bestimmte Sorten wie etwa französischen Weizen für Baguette von anderen Produzenten ein. Grundsätzlich ist jedoch unser Ziel, die Konkurrenz in punkto Qualität, Service und Qualitätskonstanz zu übertreffen.“

Allied Mills hält heute bei Weißbrotmehl einen Marktanteil von 48 Prozent, obwohl der Absatz in diesem Segment in den letzten zehn Jahren um fünf Prozent zurückgegangen ist. Der Marktanteil bei Vollkornmehl liegt unverändert bei rund sechs Prozent. Das Unternehmen liefert außerdem einen bedeutenden Anteil des in Großbritannien produzierten Grießmehls. Nebenprodukte des Mahlprozesses werden zu Pellets verarbeitet und als Tierfutter an Landwirtschaftsbetriebe verkauft.

„Uns geht es vor allem darum, Backunternehmen eine gleichbleibende Qualität bei dem Rohstoff zu gewährleisten, der Hauptbestandteil des Backprozesses ist. Bei uns wird an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr Mehl in großen Mengen hergestellt, und wir setzen alles daran, dass dieser Prozess so reibungslos wie möglich abläuft“, schließt Beach.


Der Beitrag von SKF

„Allied Mills wandte sich 2005 wegen der Anlagenzuverlässigkeit an uns“, erzählt Paul Deighton von SKF. „Allied Mills strebte einen Dauerbetrieb mit kontinuierlicher Produktion an, die nur gestoppt werden sollte, wenn der Markt es zuließe. Wir verwendeten ein Verfahren, bei dem die gesamte Strategie des Unternehmens unter die Lupe genommen wird. Mit Hilfe der so genannten Kundenbedarfsanalyse (Client Needs Analysis, CNA) erhält das Unternehmen die Möglichkeit, eine Instandhaltungsstrategie zu entwickeln.“

SKF nahm 2009 eine neue Kundenbedarfsanalyse bei Allied Mills vor, um Verbesserungen zu messen und die Durchführung einer Ursachenanalyse nach jeder unvorhergesehenen Betriebsunterbrechung von mehr als vier Stunden anzuregen.

Darüber hinaus empfahl SKF dem Unternehmen den Prozess der Instandhaltung der 5.000 Anlagen als integrierten, Mehrwert schaffenden Bestandteil des Geschäfts zu betrachten. „Anlagenkritikalität“, das heißt die Identifizierung und Vorhersage möglicher Ausfälle und die Planung präventiver Wartung, gehört zum Kernbereich von SKF. „Jetzt räumen wir der Instandhaltung die Zeit ein, die erforderlich ist“, meint Duncan Lawson, Group Engineering Manager bei Allied Mills.